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Pegida-Demo in Dresden : Höckes Angst vor Merz

Der „200. Dresdner Abendspaziergang“ des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida hatte vor der Frauenkirche auch zahlreiche Gegendemonstranten auf den Plan gerufen. Bild: dpa

Thüringens AfD-Chef sprach am Montagabend anlässlich des 200. „Abendspaziergangs“ der islam- und regierungsfeindlichen Bewegung Pegida vor mehreren tausend Menschen in Dresden. Etwa genauso viele protestierten gegen die Veranstaltung.

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          Die Rufe nach dem vermeintlichen Erlöser schallen bereits am frühen Abend über den Dresdner Neumarkt. „Höcke, Höcke, Höcke!“, skandiert die Menge, die zum 200. „Abendspaziergang“ der islam- und regierungsfeindlichen Bewegung gekommen ist. Anlässlich des „Jubiläums“ hatte Pegida-Gründer Lutz Bachmann den Thüringer AfD-Chef eingeladen und sein Publikum oder „die vernünftig denkende, konservativ-bürgerliche Mitte“, wie Bachmann sie nennt, ist begeistert. „Björn Höcke – mein zukünftiger Kanzler der Herzen“, steht auf einem Plakat, auch Thüringen-Flaggen und Höcke-Konterfeis sind zu sehen, ein Stand, der einem Höcke-Schrein gleicht, hat den Band „Höcke: Reden, Interviews, Tabubrüche“ im Angebot.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dass Bachmann als Anführer eben jener „bürgerlichen Mitte“ erst Anfang Februar vom Amtsgericht Dresden mal wieder einen Strafbefehl über 1800 Euro kassiert hat, diesmal wegen Beleidigung, interessiert hier kaum jemanden, genauso wenig wie seine knapp zwei Dutzend anderen Vorstrafen, unter anderem wegen Drogenhandels, Einbruchs, Körperverletzung und Volksverhetzung. „Unser Lutz“, wie Bachmann von seinen Fans genannt wird, inszeniert sich vielmehr als aufrechter Kämpfer für „den kleinen Mann gegen eine breite Palette von Ungerechtigkeiten“. So jedenfalls beschreibt er die Pegida-Bewegung, die in den vergangenen fünf Jahren „zum Synonym für Systemkritik“ geworden sei.

          Die Bewegung, von der schon länger kaum noch jemand Notiz nahm, auch weil sie nur noch montags alle zwei Woche meist vor dem Dresdner Hauptbahnhof zusammenkommt und die Veranstalter dort vor gut 1000 Menschen die immer gleichen Reden von den immer gleichen Rednern abspulen, bekommt durch Höcke seit langem mal wieder Aufmerksamkeit. Gleich zwei weitere Kundgebungen für Weltoffenheit, Demokratie und gegen Hass und Hetze haben sich ebenfalls auf dem Neumarkt eingefunden, doch die Polizei hat auf Absperrungen verzichtet und setzt auf persönliche Deeskalation. Das funktioniert, „das Versammlungsgeschehen verlief störungsfrei“, werden die Beamten später melden.

          Teilnehmer der Pegida-Kundgebung in Dresden am Montagabend.
          Teilnehmer der Pegida-Kundgebung in Dresden am Montagabend. : Bild: Reuters

          Erstmals hatte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den Aufruf eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses, darunter der Kirchen und der Jüdischen Gemeinde, unter dem Motto „Demokratie braucht Rückgrat“ mit unterzeichnet. Für die Union, die sich in der Vergangenheit schwergetan hatte mit ihrem Verhältnis zu Pegida, fand Generalsekretär Alexander Dierks am Abend klare Worte. Es sei „in diesen Zeiten Pflicht, dass wir hier stehen und unsere Stimme erheben“, sagte er vor rund 2000 Teilnehmern. „Wir überlassen nicht denen den öffentlichen Raum, die Hass und Hetze verbreiten und unser Land spalten.“ Gewalt beginne nicht erst mit Taten, sondern mit Worten.

          Zugleich protestierten unmittelbar nebenan ebenfalls rund 2000 Teilnehmer vor allem aus dem linken Spektrum mit Musik und Transparenten gegen Pegida und den Auftritt Höckes. „Für ein solidarisches Dresden“ und „Gegen die Salamisierung des Abendbrotes“ stand auf ihren Schildern, immer wieder skandierten sie „Alle zusammen gegen den Faschismus!“

          Die Dresdner Polizei ging am Abend von mehreren tausend Teilnehmern in beiden Demonstrationszügen aus.
          Die Dresdner Polizei ging am Abend von mehreren tausend Teilnehmern in beiden Demonstrationszügen aus. : Bild: Reuters

          Pegida rollte daraufhin ein langes, schwarz-rot-goldenes Banner als Trennlinie zu den Gegendemonstranten aus, während der Versammlungsleiter – ein aus Bayern stammender Mann namens Wolfgang Taufkirch, der zu den häufigsten Pegida-Rednern zählt – die rund 4000 Pegida-Demonstranten mit reichlich Verschwörungstheorien in Stimmung zu bringen versuchte. Demnach sei der EU-Klimapakt ein Programm zur Volksverarmung und -verdummung, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine „Klimadiktatorin“, die „gigantische Geldmengen“ aus den Völkern Europas presse, um den gemeinsam mit „den Bilderbergern“ ausgeheckten Plan umzusetzen, Europa in einen kommunistischen Kontinent zu verwandeln. Und „Fridays for Future“ stelle dafür die „dummen Kindersoldaten“.

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