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Ehemaliger Kanzlerkandidat : Steinbrück wirft SPD Realitätsverweigerung vor

  • Aktualisiert am

Steinbrück wirft seiner Partei „Vielfaltseuphorie“ vor. Bild: dpa

Kurz vor der Groko-Entscheidung kritisiert der SPD-Politiker seine Partei. Die dürfe sich nicht länger einer Leitkultur-Debatte verweigern.

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          Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht seine Partei in einem verheerenden Zustand. Er wirft den Sozialdemokraten vor, sich in ihrer „Vielfaltseuphorie“ nicht mehr genug um die Alltagssorgen der Bevölkerung zu kümmern. „Die Partei hat zum dritten Mal hintereinander die Bundestagswahl krachend verloren. Sie ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit“, sagt Steinbrück im Gespräch mit dem „Spiegel“.

          Besonders beim Thema Integration sei der Blick der SPD auf die Realität durch „eine ehrenwerte Gesinnung getrübt“, kritisiert der ehemalige Minister. Die Partei müsse sich selbst fragen, ob sie sich in den vergangenen Jahren nicht zu sehr auf Mulitkulturalismus konzentriert hätte. Steinbrück zieht im Interview auch Parallelen zu Frankreich. „Wie die Sozialisten in Frankreich ist auch die SPD in Gefahr, sich mehr um Antidiskriminierungspolitik und Lifestylethemen zu kümmern.“ Die Sozialdemokraten würden damit riskieren, die Bedürfnisse der Mehrheitsbevölkerung zu sehr zu vernachlässigen.

          Steinbrück rät der SPD zu einer strategischen Umkehr und ruft die Partei auf, die „Verdrängung Einheimischer und die Homogenisierung von Stadtquartieren“ sowie den Verfall von Alltagskultur stärker zu thematisieren. Seine Partei dürfe sich auch nicht länger einer Debatte über die deutsche Leitkultur verweigern. Eine spezifisch deutsche Kultur abzustreiten sei laut Steinbrück „fatal, weil es Vorurteile zulässt, die SPD habe ein gestörtes Verhältnis zum nationalen Erbe.“

          Wahlkampf wie ein Sommerschlussverkauf

          Der Kanzlerkandidat von 2013 rechnet außerdem mit dem zurückliegenden Wahlkampf der SPD ab. Das Angebot der Partei habe „wie ein Sommerschlussverkauf“ gewirkt, so Steinbrück. „Ich hatte manchmal den Eindruck, dass Martin Schulz hinter der Flut der Sachaussagen buchstäblich verschwand.“ Steinbrück fordert außerdem radikale Veränderungen in der SPD-Zentrale Willy-Brandt-Haus: „Die Mitarbeiter dort leben zu sehr in den Fotoalben vergangener Jahrzehnte.“ Die SPD-Zentrale sei zu einem „großen Echoraum“ geworden: „Das Konrad-Adenauer-Haus ist erkennbar besser aufgestellt.“

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