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Peer Steinbrück und „peerblog“ : Mit allen Wassern gewaschen

Interessenskonflikte

Gerade fungiert der Medienunternehmer Fäßler als eine der zentralen Figuren des Wahlkampfteams von Steinbrück. Eine vertragliche Verbindung zur SPD-Zentrale hat Fäßler nicht. So sollten Interessenkollisionen vermieden werden, da Fäßler im Hauptberuf Unternehmensberater ist. In der causa „peerblog“ überschneiden sich beide Tätigkeiten aber. Mal ist er Kanzlerberater, mal ist er Unternehmensberater, der mit Verweis auf seine Geschäftspartner leider nichts sagen kann.

Im vergangenen Herbst saßen Steinbrück, Fäßler und Karl-Heinz Steinkühler zusammen, um über einen Blog für den Kanzlerkandidaten zu beraten. Steinkühler, der Fäßler und Steinbrück seit langem kennt, hat schon früher einmal versucht, sich mit seiner Seite „stoneblogger“ als politischer Internetaktivist zu positionieren. Auch hat er nie dementiert, einer der anonymen Autoren des Kampagnenblogs „Wir in NRW“ gewesen zu sein.

Es ist eine bemerkenswerte Melange: Fäßler half 2010 dem unter Druck geratenen Unternehmen Gelsenwasser, die Affäre kommunikativ zu bewältigen - eine Affäre wohlgemerkt, welche ein Blog bewirkt hatte, für den sein Vertrauter Steinkühler schrieb. Der Komplex Gelsenwasser-Fäßler-Steinkühler lässt denn auch nun, drei Jahre später, die Vermutung aufkommen, Fäßler sei der eigentliche Drahtzieher von „peerblog“ und habe Steinkühler die Kontakte zu den Blog-Financiers vermittelt. Steinbrück selbst hat erst am Sonntag bekräftigt, nichts mit dem Blog zu tun zu haben.

Umstrittene Verknüpfungen

Fäßler lässt seine Rolle bei der Entstehung von „peerblog“ unkommentiert. Steinbrück behauptet, lediglich die Unterstützer - also Steinkühler - zu kennen, nicht aber die anonymen Financiers, die angeblich einen sechsstelligen Betrag bereitstellten. Fäßler bestätigt im Gespräch mit dieser Zeitung, die fünf Unternehmer zu kennen. Nennen will er sie nicht, es handle sich um Geschäftspartner Steinkühlers, das müsse respektiert werden. Mit diesem Argument versuchen die Steinbrück-Leute zu belegen, dass es sich bei dem Blog um eine von der SPD unabhängige Initiative handelte - also nicht um eine Parteispende, deren Herkunft offenbart werden müsste.

Auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ob das Unternehmen, eine Beteiligung oder Tochter zu den finanziellen Unterstützern des „peerblog“ gehörte, antwortete Gelsenwasser am Wochenende: „nach unserem Kenntnisstand nein“. Auch für Vorstandsmitglieder schloss der Konzern eine solche Unterstützung aus, über die privaten Aktivitäten von Mitarbeitern und Aufsichtsräten habe er keine Kenntnisse. Auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wiederum teilte Gelsenwasser am Mittwoch mit, dass das Unternehmen „weder den ‚Wir-in-NRW-Blog‘ noch den aktuellen ‚Peer-Blog‘ beauftragt oder finanziert hat“.

Unbestritten sind dagegen andere Verknüpfungen. Nicht nur Fäßler war einst als Berater für das Unternehmen Gelsenwasser tätig, das den Stadtwerken der SPD-dominierten Kommunen Dortmund und Bochum gehört. Auch Steinkühler hatte schon einen Vertrag mit Gelsenwasser. Und Steinbrück hielt 2010 einen Vortrag bei Gelsenwasser.

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