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Paulis Selbstinszenierung : Als PR-Frau eine Wucht

  • -Aktualisiert am

Gelebte Doktorarbeit Bild: ddp

Eines hat die Landrätin Pauli geschafft - die CSU denkt über den Wechsel in den Spitzenämtern nach. Längst läuft - unsichtbar für die Außenstehenden - ein Wettkampf ab. Stoiber kann sich jetzt wohl nur noch durch ein Wunder retten.

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          Dieses Geld der Konrad-Adenauer-Stiftung ist gut investiert. Zehn Jahre lang hat das Begabtenförderungswerk - im Sinne der Union - der Studentin Gabriele Pauli das Lernen und Forschen bezahlt. Am Schluss stand die Doktorarbeit mit dem Titel „Polit-PR, Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU“.

          Was sie damals erforscht hat, wendet Frau Pauli seit einigen Wochen an - zum Entsetzen ihres Parteivorsitzenden, aber mit bundesweitem, zum Teil schon europaweitem Erfolg. Die Frau ist als Öffentlichkeitsarbeiterin eine Wucht. Was sie in eigener Sache vollführt, hätte sie auch für die Partei getan, falls die CSU-Vorsitzenden Waigel und Stoiber sie an Stelle von Protzner oder Söder zur Generalsekretärin gemacht hätten.

          Landräte werden in Bayern „König von . . .“ genannt

          So aber wurde das Talent der schlanken, gut aussehenden, strahlenden Frau, die 1990 im Alter von 33 Jahren im damals typischen sozialdemokratischen Kleinbürgermilieu der SPD den Landkreis Fürth abgenommen hat und die jüngste Landrätin der Republik geworden ist, zu nichts anderem genutzt als zur Verfestigung der neu gewonnenen CSU-Bastion im Vorfeld der SPD-Hochburg Nürnberg. Dass sie mehr kann, als Anfangserfolge zu erzielen, bewies Frau Pauli mit ihren Ergebnissen bei der zweimaligen Wiederwahl: 1996 mit 59 Prozent, 2002 gar mit 65 Prozent. Vor dieser Leistung neigen auch Bezirksvorsitzende der CSU anerkennend ihr Haupt.

          Ein Wunder im Falle Stoiber ist nicht in Sicht

          Doch das reichte Frau Pauli nicht. Sie war nicht nur bei der Berufung von Generalsekretären übergangen worden, sondern auch bei der Suche nach jungen Ministerinnen im bayerischen Kabinett. Ein Landtagsmandat oder ein Sitz im Bundestag ist hingegen für eine Landrätin keine Verlockung. Da ist die Position an der Nahtstelle von Bürgerauftrag und Staatsauftrag wesentlich gestaltungsmächtiger. Landräte werden in Bayern „König von . . .“ genannt.

          Die größte politische PR-Kampagne

          Kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag hat die Königin von Pegnitz und Rednitz zum größten PR-Feldzug ihres bisherigen Lebens angesetzt. Sie wollte die Dunstschwaden der Unzufriedenheit über dem obersten Bayern Edmund Stoiber kristallisieren. Zunächst ging sie den Ministerpräsidenten frontal an und verklagte im Sommer die Staatsregierung: Wenn das Land schon eine einsame Entscheidung des Regierungschefs nachvollziehe und das achtklässige Gymnasium einführe, dann solle es den Landkreisen die Folgekosten erstatten.

          Das Wort „Konnexitätsprinzip“ kommt ihr dabei leicht über die Lippen: Stoiber könne nicht widersprüchliche Erfolge feiern und andere den Preis dafür bezahlen lassen. Im Herbst nahm sich Frau Pauli den Parteichef Stoiber selbst vor und forderte die Einführung der Mitgliederbefragung in der CSU. Im Winter dann schnürte sie beides zu einem Paket: Bevor Stoiber noch einmal für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiere, solle er sich dem Votum der Parteibasis stellen.

          Die Ausreden des Generalsekretärs Söder, es sei sinnlos, im Falle eines einzigen Kandidaten - und der sei selbstverständlich der Parteivorsitzende und Amtsinhaber Stoiber - einen Mitgliederentscheid herbeizuführen, gingen ins Leere. Es gebe ohnehin keine Alternative, suchte Söder den Leuten einzureden, doch der Glaube war dahin. Die größte politische PR-Kampagne, die Bayern seit langem erlebte, entfaltete Wirkung.

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