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Paulis Selbstinszenierung : Als PR-Frau eine Wucht

  • -Aktualisiert am

Herrmann wird die Souveränität zugetraut, seine eigenen Vorzüge zu schätzen, aber nicht zu überschätzen. Dass er sich am sichersten fühlt, wenn er bayerischen Boden unter den Füßen spürt, macht ihn für das Amt des Ministerpräsidenten geeignet, lässt aber auch die Arbeitsteilung mit jemandem zu, der in Berlin und in der großen Koalition den von Franz Josef Strauß formulierten „bundespolitischen Anspruch“ der CSU verwirklicht.

Diese Person würde dafür mit dem Parteivorsitz ausgestattet. Und wichtige Vorstandsmitglieder, nicht allein Frau Pauli, denken dabei an Horst Seehofer. Der Oberbayer würde gut zu dem Mittelfranken Herrmann passen und die Gesetze des regionalen Proporzes in der CSU erfüllen helfen.

Höhepunkt seiner Macht

Doch dieser schweigt seit Wochen. Wohl nicht nur, weil es sich so für jemanden geziemt, der noch nicht laut gerufen wird. Seehofer dürfte ein Lehrbeispiel umtreiben. Als der Parteivorsitzende Waigel, der neun Jahre lang dem Bundeskabinett als Finanzminister angehört hatte, nach der Bundestagswahl 1998 das Ministeramt verlor und als Bundestagsabgeordneter in die Opposition gehen musste, sah er sich gezwungen, auch den Parteivorsitz aufzugeben und ihn seinem Rivalen Stoiber zu überlassen, der unbeeindruckt vom Bundestagswahlergebnis im Allgemeinen und der CSU im Besonderen in München dem Höhepunkt seiner Macht entgegenstrebte.

Für Seehofer dürfte es durchaus eine Überlegung wert sein, jetzt, da ein Ministerpräsident Herrmann in der Öffentlichkeit noch keine Selbstverständlichkeit ist, selbst nach dem Münchener Staatsamt zu greifen und so zu vermeiden, dass seine politische Zukunft von der Dauer der großen Koalition und den Berliner Wahlaussichten von CDU und FDP abhängig wird.

Unsichtbarer Wettkampf

Längst läuft - unsichtbar für die Außenstehenden - ein Wettkampf um die wichtigsten Partner und den günstigsten Zeitpunkt ab. Die Klausurtagungen von Kreuth, erst der Berliner Landesgruppe, dann der Landtagsfraktion, müssen noch nicht die Entscheidung bringen, aber dass diese erst auf einem Wahlparteitag zwischen Juli und September fallen würde, ist unwahrscheinlich.

Die richtigen Partner entscheiden auch über den Zeitplan. Herrmann gehört zur Riege der zehn Bezirksvorsitzenden, Seehofer zur Vierergruppe der stellvertretenden Parteivorsitzenden. Tagen die Bezirksvorsitzenden unter sich, dann sind so wichtige Präsidiumsmitglieder wie Stoiber, Seehofer, Ramsauer oder Söder ausgeschlossen. Doch weil sie zwischen den Parteitagen die Truppen führen, kann sich niemand einem Votum der Bezirksvorsitzenden entziehen. Tagt hingegen das Parteipräsidium, dann sind die Bezirksvorsitzenden Beckstein, Ferber, Glos, Glück, Herrmann und Huber stimmberechtigt.

Die CSU den neuen Wirklichkeiten anpassen

Das Angebot Stoibers an Frau Pauli, in nächster Zeit in Ruhe miteinander zu reden, wird keinen Erfolg bringen. Die Zirndorferin hat nicht nur Gefallen gefunden an dem Aufsehen, das sie erregt, sondern sie hat noch viel weiter gehende Pläne als nur eine Mitgliederbefragung und den Wechsel an der Regierungs- und Parteispitze. Sie will die CSU den neuen Wirklichkeiten anpassen.

Als alleinerziehende Mutter hat sie nach zwei gescheiterten Ehen eine andere Sicht auf den Alltag als Stoiber - und sie wird in ihrem Landkreis von vielen ähnlichen Fällen bestätigt. Die CSU-Führung glaubt noch, einer Personalfrage gegenüberzustehen, doch in Wahrheit bahnt sich mitten in der Grundsatzprogrammdebatte, die der bisherige Programmverantwortliche Glück zu moderieren sucht, eine zweite Programmdebatte an, die wahrscheinlich Frau Pauli am liebsten selbst leiten würde.

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