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Paulis Selbstinszenierung : Als PR-Frau eine Wucht

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Mit seiner Rückkehr hat Stoiber in Bayern obendrein die Möglichkeit verbaut, daß Innenminister Beckstein, übrigens der Bezirksvorsitzende der Frau Pauli, Ministerpräsident wurde. In der Summe ergibt das in den Augen der CSU-Vorstandsmitglieder, aber auch des bayerischen Wahlvolkes ein hübsches Schuldenkonto Stoibers, so dass nun selbst der Landtagspräsident Glück von „Abnutzungserscheinungen“ spricht.

Geduld, um „eine Last mitzuschleppen“

Da gilt es als sicher, dass die Zweidrittelmehrheit von 2003 im Jahre 2008 nicht mehr zu erreichen ist. Die CSU-Strategen befürchten ein Erstarken der FDP und den Einzug der Freien Wähler in den Landtag. So gesehen wäre ein Ergebnis von 52 oder 53 Prozent zwar ein Absturz, aber man käme noch mit dem Leben davon.

Einigen Leuten wird nun nachgesagt, dass sie diese Niederlage Stoiber selbst aufhalsen und erst danach sein Erbe antreten wollen. Doch so billig ist der Primat in Bayern nicht zu haben. Auch steht der Kalender gegen eine solche Taktik. Spätestens ein Jahr nach der bayerischen Landtagswahl folgt die Bundestagswahl. Zu diesem Zeitpunkt muß die CSU - auch der CDU und der gemeinsamen Bundestagsfraktion zuliebe - konsolidiert sein oder zumindest den Anschein der Konsolidierung erwecken; da fehlt die Ruhe, um einen „abgestürzten“ Ministerpräsidenten zu ersetzen, aber auch die Geduld, um „eine Last mitzuschleppen“.

Ein Wunder ist nicht absehbar

So kann nur noch ein Wunder Stoiber vor dem Abschied aus seinen Ämtern vor der Landtagswahl retten; die Taktik der möglichen Nachfolger muss hinter der Gefahrenabwehr der Partei zurückstehen. Einer der Bezirksvorsitzenden nennt als ein Beispiel für ein solches politisches Wunder die Freilassung der DDR-Flüchtlinge aus Ungarn 1989, die den Bundeskanzler Kohl auf dem Bremer Parteitag vor dem Sturz durch seine eigene Partei gerettet habe.

Doch im Falle Stoibers ist so ein Wunder nicht absehbar, es sei denn ein vorzeitiges Ende der großen Koalition, was sofort die Reihen der CSU schließen würde. Nicht nur die SPD, sondern auch die CDU und erst recht die CSU-Landesgruppe in Berlin betrachten Stoibers steigende Anforderungen an die Gesundheitsreform mit gemischten Gefühlen. Der Landesgruppenvorsitzende Ramsauer macht einen ganz großen Spagat, wenn er einerseits die Verabschiedung der Reform und andererseits die Spitzenkandidatur Stoibers für sicher erklärt.

Stoibers heimlicher Vollstrecker

Nun sind die Vorstandsmitglieder der CSU auf der Suche nach dem idealen Kandidaten für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Er soll „so beliebt sein wie Vater Goppel, so weitsichtig wie Strauß, so gut aussehen wie Streibl und so fleißig sein wie Stoiber“, sagt ein Präsdiumsmitglied.

Oft wird der Fraktionsvorsitzende Herrmann genannt. Der hat sich freigeschwommen. Die Fraktion besteht darauf, dass sie aus eigener Macht den Ministerpräsidenten bestimmen darf. Herrmann hat zur Begründung einer vorzeitigen Loyalitätserklärung der 123 Abgeordneten für den Abgeordneten Stoiber in den nächsten Tagen in Kreuth in der Öffentlichkeit keinen Hehl daraus gemacht, dass Stoiber selbst den baldigen Vertrauensbeweis haben wollte. Damit hat Herrmann offengelegt, wie verunsichert der Ministerpräsident ist. Aber er hat ebenso offengelegt, dass er sich längst nicht mehr als Stoibers heimlicher Vollstrecker sieht.

Bayerischen Boden unter den Füßen

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