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Paulis Selbstinszenierung : Als PR-Frau eine Wucht

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Frau Pauli wollte nie einen Mitglieder-„Entscheid“, sondern stets eine „Befragung“; entscheiden soll nach ihren Vorstellungen letztlich der Parteitag oder zumindest ein kleiner Parteitag. Frau Pauli ist seit 1989 Mitglied im Landesvorstand der CSU - wie könnte man ihr unterstellen, sie wolle die Parteigremien entmachten; sie will die Basis lediglich instrumentalisieren, so wie sie jetzt die Medien für ihre Zwecke mit durchschlagendem Erfolg instrumentalisiert.

Seit die Landrätin die Mitgliederbefragung in die Gedankenwelt der CSU eingeführt hat, überlegen sich die Parteimächtigen, wem dies nützen und wem dies vielleicht noch schaden könnte außer Stoiber selbst. Da wird unversehens als möglicher Nutznießer der Name Thomas Goppel genannt. Der heutige Wissenschaftsminister und frühere Umweltminister hat die Zeit, als ihn Stoiber aus dem Kabinett genommen und mit dem Posten des Generalsekretärs getröstet hatte, bestens genutzt. Er besuchte alle Untergliederungen seiner Partei - die berühmte Basis - und vergaß auch nicht die Arbeitsgemeinschaften, also die Untergliederungen der Untergliederungen.

Noch heute überraschen CSU-Ortsvorsitzende ihre Parteioberen damit, dass sie Goppel im Falle einer Mitgliederbefragung ein prächtiges Ergebnis voraussagen. Der Sohn des einstigen Ministerpräsidenten Alfons Goppel hält sich aus dem aktuellen Streit heraus und gibt sich wunschlos glücklich. Doch so hatte es auch sein Vater gemacht, der als Kompromisslösung in einem innerparteilichen Streit das Amt erlangt hatte und dann 16 Jahre lang verteidigte.

Um die Chance seines Lebens gebracht

Nach dem Eindruck anderer Präsidiumsmitglieder hält sich auch der stellvertretende Parteivorsitzende Seehofer auffallend bedeckt. Er gehört gewiss nicht zu den möglichen Kompromisskandidaten, sondern ist der meistgenannte Anwärter auf den CSU-Vorsitz. An der Person Seehofers werden unter den Parteimächtigen gerne die verschiedenen Denkschulen für eine Ablösung Stoibers vorgeführt. Dass diese Ablösung ansteht, scheint unstrittig zu sein, unentschieden ist aber, ob vor oder nach der Landtagswahl 2008.

Als Stoiber 2002 nicht als Kanzler nach Berlin ging, hat er Erwin Huber um die Chance seines Lebens gebracht. Der mehrfache Minister und frühere Generalsekretär wäre nach Stoiber Ministerpräsident in Bayern geworden. Doch es ist fraglich, ob Huber in der folgenden Landtagswahl die Zweidrittelmehrheit erreicht hätte, die Stoiber 2003 eingefahren hat.

„Abnutzungserscheinungen“

Die Sensation machte den Wahlsieger allerdings überheblich. Der Reihe nach düpierte er seine Minister mit einsamen Vorschlägen, die er sofort öffentlich vortrug, und die riesige Landtagsfraktion mit Gesetzesvorlagen, die diese zu beschließen hatte. So kam es, dass nur zwei Jahre nach Stoibers historischem Sieg die meisten seiner politischen Freunde heilfroh gewesen wären, wenn er in die Bundespolitik gegangen wäre.

Nicht erst seine Flucht aus Berlin, sondern schon seine Vorliebe für das Wirtschaftsministerium an Stelle des Innenministeriums nehmen ihm die Weggefährten noch immer übel, und wer noch offener ist, gibt ihm sogar die Schuld an der Beinahe-Niederlage in der Bundestagswahl, weil er sich nicht rechtzeitig auf das Finanzministerium festgelegt und so Frau Merkel das Kirchhof-Debakel erspart habe.

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