https://www.faz.net/-gpf-7u545

Nach zwölf Jahren Mißfelder : Paul Ziemiak ist neuer Chef der Jungen Union

Paul Ziemiak ist neuer Chef der Jungen Union Bild: dpa

In der ersten Kampfabstimmung der Jungen Union seit 40 Jahren wählten die Delegierten Paul Ziemiak zum neuen Vorsitzenden. Er setzte auf seine enge Verbindung zur Basis. Sein Gegner Benedikt Pöttering blieb blass.

          Die Junge Union hat einen neuen Vorsitzenden. Auf dem Deutschlandtag der Jugendorganisation von CDU und CSU im bayrischen Inzell wählten die Delegierten am Freitagabend den nordrhein-westfälischen Paul Ziemiak zum Nachfolger des scheidenden Vorsitzenden Philipp Mißfelder. Mißfelder musste sein Amt nach 12 Jahren aufgeben, da er die Altersgrenze von 35 Jahren erreicht hatte. Der 29 Jahre alte Ziemiak setzte sich mit 63 Prozent der Stimmen gegen den 31 Jahre alten Benedikt Pöttering durch. Zum ersten mal seit über 40 Jahren war es zu einer Kampfabstimmung um den Vorsitz der Jungen Union gekommen.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Zuvor hatten sich die Kandidaten über Monate einen Kampf um die einzelnen Landes- und Bezirksverbände geliefert. Mißfelder ging  bei seinem Abschied darauf ein, dass der Verband sich nach der langen öffentlichen Diskussion nun wieder um Ausgleich bemühen müsse. „Die Gräben müssen wir bald wieder zuschütten.“

          Pöttering chancenlos

          Spätestens bei den Bewerbungsreden war klar, dass Ziemiak das Rennen machen würde. Er hatte sich die Unterstützung der meisten Landesverbände gesichert und schaffte es im Gegensatz zu dem blass wirkenden Pöttering, seine Anhänger mitzunehmen. Ziemiak erzählte, wie er als Kind polnischer Aussiedler aus Stettin ins Sauerland gekommen war und an seinem ersten Tag im Kindergarten kein Wort Deutsch konnte. „In der Jungen Union habe ich meine politische Heimat gefunden.“

          Gegen Pöttering, der es als langjähriges Mitglied des JU-Präsidiums und Sohn des früheren EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering nicht schaffte, sein Image als abgebrühter Polit-Profi loszuwerden, führte Ziemiak seine Erfahrungen in der Kommunalpolitik ins Feld und seine Verbundenheit mit der Basis: „Wollen wir, dass die JU nur in Berlin sitzt?“, fragte er die 314 Delegierten. Dann widmete er sich den Herzensthemen der Jungen Union, von der Achtung für die Bundeswehr über Generationengerechtigkeit bis hin zur Gesellschaftspolitik: „Das muss die Botschaft sein, dass wir den Staat verändern wollen und nicht – wie Sozialisten, die grünen Ideologen und Linken – den Menschen.“

          Raus aus dem Berliner Betrieb

          Beide Kandidaten hatten damit zu Punkten versucht, der Jungen Union wieder eine stärkere Stimme geben zu wollen. Der scheidende Vorsitzende Mißfelder hatte es in den zwölf Jahren seiner Amtszeit zwar geschafft, aus der Parteijugend eine professionelle und gut organisiert Wahlkampftruppe zu machen. Mit den Jahren war der talentierte Netzwerker in den Augen vieler junger Mitglieder jedoch selbst zum Teil des Berliner Betriebs geworden.

          Zuletzt hatte er vor allem wegen seiner Reise zu einer Feier bei Russlands Präsident Wladimir Putin während der Besetzung der Krim durch Russland und Spekulationen um seine Nebeneinkünfte von sich reden gemacht.
          Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als Ehrengast zum Deutschlandtag gekommen war, hatte denn auch nur verhaltenes Lob für Mißfelder übrig. Er habe an der Spitze einer „nicht immer einfachen Organisationen gestanden“, sagte die Kanzlerin. Doch nun sei es an der Zeit, Danke zu sagen „für zwölf erfolgreiche Jahre“.

          Weitere Themen

          Liebe auf den zweiten Blick

          CSU und Kramp-Karrenbauer : Liebe auf den zweiten Blick

          Nur wenige Tage nach der Wahl zur CDU-Vorsitzenden ist klar: Die CSU kann mit der neuen CDU-Vorsitzenden gut leben. Einige Gemeinsamkeiten und ähnliche Haltungen könnten die Zusammenarbeit in Zukunft erleichtern.

          Topmeldungen

          Kommentar zu Straßburg : Das ist deutsche Hybris

          Kann es uns wirklich besser als Franzosen, Briten und Spaniern gelingen, die Ausbreitung von integrationsunwilligen Parallelgesellschaften zu verhindern? Ein Kommentar.

          Von Afrika über China zu uns : Wo unsere Smartphones herkommen

          Wir benutzen sie jeden Tag, doch wir fragen uns selten, wo sie herkommen: Der Weg eines Smartphones beginnt in Afrika und Südamerika und führt zu riesigen Fabriken in China. Unsere Grafik nimmt Sie mit auf die Reise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.