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Umgang mit Missbrauch : Papst ordnet für Hamburger Erzbischof Heße „Auszeit“ an

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße Bild: dpa

Papst Franziskus ordnet für den Hamburger Erzbischof Stefan Heße eine „Auszeit“ an. Heße hatte nach der Vorstellung des Kölner Missbrauchsgutachtens seinen Rücktritt angeboten. Wie lange die „Auszeit“ dauert und was danach passiert, ist offen.

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          Papst Franziskus hat dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße eine „Auszeit gewährt“ und damit sein Rücktrittsgesuch vorerst nicht angenommen. Nähere Angaben zu dieser Entscheidung machte das Erzbistum Hamburg am Montag zunächst nicht. Auch der Vatikan äußerte sich nicht. Nach der Vorstellung des Kölner Missbrauchsgutachtens am 18. März hatte Heße dem Papst seinen Rücktritt angeboten und um die sofortige Entbindung von seinen Aufgaben gebeten. Er hatte seine Amtsgeschäfte niedergelegt und die Leitung des Erzbistums kommissarisch seinem Generalvikar Ansgar Thim übertragen.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          In dem Gutachten werden dem ehemaligen Personalchef und Generalvikar des Erzbistums Köln elf Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs vorgehalten. Mehrere Fälle soll er pflichtwidrig nicht an die Staatsanwaltschaft oder den Vatikan gemeldet haben. Zudem wird Heße vorgeworfen, kirchliche Verfahren zur Klärung von Missbrauchsvorwürfen nicht eingeleitet zu haben.

          Kein Kommentar der Bischofskonferenz

          Heße weist diese Vorwürfe zurück. Er habe immer „nach bestem Wissen und Gewissen“ gehandelt und sich nie an Vertuschung beteiligt. Seine Entscheidung, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten hatte er damit begründet, dass er „Schaden vom Amt des Erzbischofs und vom Erzbistum Hamburg“ abwenden wolle. Wie das Erzbistum Hamburg weiter mitteilte, soll nach dem Willen des Papstes vorerst Generalvikar Thim weiter die kommissarische Leitung des Erzbistums fortführen. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte die Entscheidung des Papstes am Montag auf Anfrage der F.A.Z. nicht kommentieren. Eine Entscheidung in der Sache ist mit der „Auszeit“ nicht verbunden. Unklar war zunächst, was unter „Auszeit“ genau zu verstehen ist und wie lange sie dauern wird.

          Unterdessen bestrafte der Vatikan in Polen zwei emeritierte Bischöfe, weil sie Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche vertuscht hatten. Sławoj Leszek Głodź, bis 2020 Erzbischof von Danzig, und Edward Janiak, bis zu seinem Rücktritt 2020 wegen dieser Versäumnisse Bischof von Kalisz, dürfen künftig in ihren Diözesen weder wohnen noch öffentlich auftreten und müssen zudem eine „angemessene Summe“ an die kirchliche St. Josef-Stiftung zahlen, die Opfer des Missbrauchs unterstützt.

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