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Katholische Kirche : Papst ernennt Heiner Wilmer zum Bischof von Hildesheim

  • Aktualisiert am

Hildesheims neuer Bischof Heiner Wilmer. Bild: dpa

Sieben Monate war das Bischofsamt in Hildesheim vakant. Künftig wird ein Ordensmann an der Spitze des Bistums mit rund 611.000 katholischen Christen stehen. Dessen Karriere führte ihn bis in die Bronx.

          Papst Franziskus hat Heiner Wilmer zum neuen Bischof von Hildesheim ernannt. Wilmer, Ordensgeneral der als Dehonianer bekannten Herz-Jesu-Priester, wird Nachfolger von Bischof Norbert Trelle, wie der Vatikan und das Bistum am Freitag bekanntgaben. Die Bischofsweihe und Amtseinführung des promovierten Theologen werden voraussichtlich im September stattfinden, der genaue Termin steht noch nicht fest. Der erste Besuch Wilmers in Hildesheim ist für Anfang Mai geplant.

          Die Ernennung wurde in Rom und Hildesheim zeitgleich bekanntgeben. Im Hildesheimer Dom verkündete Weihbischof Heinz-Günter Bongartz während einer Andacht die Nachricht: „Als Domkapitel danken wir Gott und dem Heiligen Vater von ganzem Herzen und freuen uns sehr, dass wir bald einen neuen Bischof in unserem Bistum willkommen heißen dürfen.“

          Der 1961 in Schapen im Emsland geborene Wilmer wurde 1987 zum Priester geweiht. Seit seiner Wahl zum Leiter der Dehonianer 2015 lebt er in Rom. Bevor er 2007 an die Spitze der Herz-Jesu-Priester in Deutschland berufen wurde, war als Lehrer, Schulseelsorger und Schulleiter tätig.

          Im vergangenen Jahr hielt der katholische Ordensobere beim Gottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom die Predigt. Mit seinem 2015 erschienenen Buch „Gott ist nicht nett. Ein Priester auf der Suche nach dem Sinn“ erregte Wilmer durch selbstkritische Betrachtungen Aufsehen.

          Der Weg nach Hildesheim führte über die Bronx

          Aufgewachsen auf einem Bauernhof im emsländischen 2400-Einwohner-Dorf Schapen, machte Wilmer sein Abitur 1980 am Leoninum in Handrup, einem Gymnasium in Trägerschaft der Herz-Jesu-Priester. Anschließend trat er in die Gemeinschaft ein, studierte Theologie in Freiburg sowie Romanistik in Paris. 1987 zum Priester geweiht, ging er im Anschluss nach Rom an die Päpstliche Universität Gregoriana, um dort Französische Philosophie zu studieren.

          Dann wollte Wilmer Lehrer werden, hängte nach der Promotion in Theologie ein Lehramtsstudium in Geschichte dran. In dieser Zeit arbeitete er auch vier Monate als Seelsorger in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung im kanadischen Toronto. 1997 ging er dann in die Klassenzimmer der New Yorker Bronx. Dort unterrichtete er an einer Jesuiten-Highschool Deutsch und Geschichte.

          Nach seiner Rückkehr wurde Wilmer Schulleiter des ordenseigenen Gymnasiums in Handrup im Emsland. Als junger Rektor hatte er dort manchen Strauß mit älteren Kollegen auszufechten, wie er selbst schreibt. Für ihn waren die Beulen, Verletzungen, Versöhnungen, Ängste, Erfolge und Unsicherheiten wichtige Erfahrungen.

          Die siebenmonatige Suche hat ein Ende

          Wilmer wird der 71. Hildesheimer Bischof. Mit der Ernennung hat die rund siebenmonatige Suche nach einem Nachfolger für Bischof Norbert Trelle ein Ende. Trelle war im September des vergangenen Jahres in den Ruhestand getreten. Während eines Festgottesdienstes im Hildesheimer Dom zu Trelles 75. Geburtstag hatte ein Vertreter des Vatikans mitgeteilt, dass Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch Trelles angenommen habe.

          Danach waren nach einem Staatskirchenvertrag aus dem Jahr 1929 die 15 katholischen Bistümer auf dem Gebiet des ehemaligen Freistaats Preußen berechtigt, Vorschläge für Trelles Nachfolger zu machen. Papst Franziskus wählte für eine Dreierliste Namen aus oder fügte neue hinzu. Ein aus acht Theologen bestehendes sogenanntes Domkapitel wählte schließlich aus dieser Liste den neuen Bischof.

          Zuletzt war im Februar der bisherige Generalvikar des Bistums Speyer, Franz Jung, von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Würzburg ernannt worden. Davor kamen ins Amt Peter Kohlgraf in Mainz im August 2017, Helmut Dieser in Aachen im November 2016 und Heinrich Timmerevers in Dresden-Meißen im August 2016.

          In der Regel ist ein Bischofssitz vor einer Neubesetzung mindestens ein Jahr vakant. Mit der Ernennung des neuen Bischofs von Hildesheim sind alle katholischen Bischofsstühle der 27 deutschen Erzbistümer und Bistümer wieder besetzt. Zum Bistum Hildesheim zählen rund 611.000 Katholiken im östlichen Niedersachsen und Teilen des Landes Bremen.

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