https://www.faz.net/-gpf-9auck

Ökumene : Papst bremst Handreichung der Bischöfe

Papst Franziskus am Sonntag bei einer Messe in Ostia, einem Vorort von Rom Bild: dpa

Papst Franziskus hat entschieden: Der Vatikan lehnt die von den deutschen Bischöfen mehrheitlich beschlossene Handreichung zum Kommunionempfang von nicht-katholischen Ehepartnern in ihrer bisherigen Form ab.

          Im Streit unter den katholischen Bischöfen in Deutschland über die Teilnahme nichtkatholischer Ehepartner am Abendmahl hat der Vatikan Partei für die Gegner einer weitgefassten Lösung ergriffen. In diesem Sinn hat der Präfekt der Vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, der designierte Kardinal Luis Ladaria Ferrer SJ, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, mit Datum vom 25. Mai mitgeteilt, das einschlägige, im Februar von der Vollversammlung der DBK mit Dreiviertelmehrheit gebilligte Dokument sei nach dem Urteil von Papst Franziskus „noch nicht reif für die Veröffentlichung“.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Zur Begründung schreibt Ladaria, die Zulassung evangelischer Christen zur Eucharistie berühre zentrale Glaubensinhalte und sei somit ein Akt von weltkirchlicher Bedeutung. Des Weiteren seien die Auswirkungen einer solchen Entscheidung auf die Beziehungen zu den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften nicht zu unterschätzen. Drittens und letztens sei wollte sich der Vatikan selbst um eine weltkirchlich verbindliche Auslegung der einschlägigen Bestimmung des Kirchenrechts bemühen.

          Gerahmt wird die unverhohlene Kritik an dem Vorgehen Marxens von einem Lob der guten Qualität der Beziehungen zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland sowie von einer Ermahnung an die Bischöfe, es am Geist der „Kollegialität“ nicht fehlen zu lassen.

          Adressaten dieses Briefes sind neben Marx die fünf Bischöfe, die über diesen Streit Anfang Mai zu Gesprächen in Rom gewesen waren, näherhin der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer als Wortführer der unterlegenen Minderheit, sowie die Vorsitzenden der Glaubens- und Ökumenekommission der DBK, die Bischöfe Wiesemann (Speyer) und Feige (Magdeburg), dazu als Vermittler der Münsteraner Bischof Felix Genn.

          Aus dem Brief geht nicht hervor, wann die vatikanischen Behörden eine weltkirchlich verbindliche Auslegung des Kirchenrechts vorlegen wollen. Vor dieser Klärung, die schon vor weit mehr als zehn Jahren versprochen wurde, dürfte der Streit der Bischöfe in Deutschland kein Ende finden.

          Im Februar hatte die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz nach Vorarbeiten der Glaubens- sowie der Ökumenekommission der Bischofskonferenz und mehreren kontroversen Debatten mit überwältigender Mehrheit ein Dokument gebilligt, das Seelsorgern und Eheleuten Kriterien an die Hand geben sollte, bei deren Erfüllung die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie in der katholischen Kirche möglich sei. Einwände, die deutschen Bischöfe könnten in dieser Frage nicht ohne Konsultationen mit dem Vatikan und nicht ohne eine Verständigung mit anderen Bischofskonferenzen agieren, wurden von Marx vom Tisch gewischt. Ein entsprechender Geschäftsordnungsantrag des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki wurde nicht zur Abstimmung zugelassen.

          Acht Diözesanbischöfe wandten sich an den Vatikan

          Veröffentlicht wurde die sogenannte Orientierungshilfe im Februar noch nicht. Marx erläuterte das Zögern mit dem Hinweis, wie üblich müssten in einer Art Endredaktion noch Einarbeitungen („modi“) berücksichtigt werden. In der Sache ließ er aber keinen Zweifel daran, dass „alle, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe nach einer reiflichen Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer mit der Seelsorge beauftragten Person zu den Gewissensurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine ,schwere geistliche Notlage' beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen, zum Tisch des Herrn hinzutreten dürfen“.

          Wie Marx im Februar angekündigt hatte, wandte sich Woelki im März zusammen mit sechs Diözesanbischöfen an den Vatikan. In einem Brief an Ladaria sowie den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, den Schweizer Kurienkardinal Kurz Koch, formulierten die Unterzeichner ihre Zweifel daran, dass der „vorgelegte Lösungsentwurf mit dem Glauben und der Einheit der Kirche vereinbar“ sei.   Die anderen Unterzeichner Schick (Bamberg), Ipolt (Görlitz), Hanke (Eichstätt), Oster (Passau), Voderholzer (Regensburg) und Zdarsa (Augsburg) sind bis auf Ipolt identisch mit der Freisinger Bischofskonferenz, in der Marx ebenfalls den Vorsitz führt.

          Der Form nach handelt es sich um einen Streit über die richtige Anwendung eines Kanons des Codex des kanonischen Rechts aus dem Jahr 1983, der es dem Urteil eines Diözesanbischofs oder einer Bischofskonferenz anheimstellt, eine „schwere Notlage“ zu definieren, die es einem Geistlichen erlaubt, die Sakramente „auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen“ zu spenden.

          Sonderweg nicht an Universalkirche rückgebunden

          Das Kirchenrecht selbst formuliert nur zwei Bedingungen: Erstens können die Betroffenen einen „Spender der eigenen Gemeinschaft“ nicht aufsuchen, zweitens müssen sie von sich aus um die Sakramente bitten, vorausgesetzt, dass sie bezüglich der Sakramente „den katholischen Glauben bekunden“ und „in rechter Weise disponiert“ sind.

          Die Mehrheit der Bischöfe ist nach Angaben von Marx der Meinung, eine „schwerwiegende geistliche Notlage“ könne im Einzelfall aus dem gemeinsamen Eheleben in einer konfessionsverschiedenen Ehe entstehen. Der gemeinsame Empfang der Eucharistie geschehe daher in Übereinstimmung mit der Lehre und dem Recht der Kirche.

          Die Minderheit griff diese Auslegung von Can. 877 § 4 CIC/1983 in ihrem Schreiben an Ladaria und Koch in mehreren Punkten an. Unter anderem bestritten sie, dass eine konfessionsverschiedene Ehe eine Notsituation sei, wie sie das Kirchenrecht verlange. Desgleichen monierten Woelki und die sechs anderen Ortsbischöfe, die Mehrheit beschritte mit ihrer Handreichung einen Sonderweg, der an die Universalkirche nicht rückgebunden sei. Das erste Argument hat sich Papst Franziskus nun implizit, das zweite Argument explizit zu eigen gemacht.

          Weitere Themen

          Ist „Artikel 13“ schon Zensur? Video-Seite öffnen

          Proteste gegen Uploadfilter : Ist „Artikel 13“ schon Zensur?

          In ganz Deutschland haben Demonstranten gegen geplante Reformen beim Urheberrecht demonstriert. Das Europaparlament will in der kommenden Woche über „Artikel 13“ abstimmen – er könnte insbesondere die Arbeit von Youtubern erheblich einschränken.

          Was Sie zur Europawahl wissen müssen Video-Seite öffnen

          Der Countdown läuft : Was Sie zur Europawahl wissen müssen

          Die meisten EU-Länder wählen am 26. Mai ihre Abgeordneten im Europaparlament. Zur Wahl aufgerufen sind fast 400 Millionen EU-Bürger. Sie bestimmen 705 Parlamentarier, deren Mandat fünf Jahre andauert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.