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Ovationen für Merkel : Der erneuerte Pakt

Angela Merkel nach ihrer emotionalen Rede beim Parteitag. Bild: Frank Röth

Auch auf dem Parteitag der CDU ist die Flüchtlingskrise nicht bewältigt worden. In Karlsruhe ging es um etwas anderes. Ein Kommentar

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          Sollte die SPD sich tatsächlich noch an die schwache Hoffnung geklammert haben, in zwei Jahren wieder mehr sein zu können als der Juniorpartner in einer großen Koalition, dann ist diese am Montag endgültig zerstoben. Denn als Strohhalm konnte nach der Demontage Gabriels durch die eigene Partei nur noch die Utopie dienen, die CDU werde ihre Vorsitzende noch schlechter behandeln. Das aber ist den Christlichen Demokraten bisher selbst dann nicht recht gelungen, wenn sie es vorhatten.

          Merkel machte es ihrer Partei auch in dieser Hinsicht nicht leicht. Auf dem Karlsruher Parteitag erneuerte sie ihren Pakt mit der CDU, dessen erster Zweck es ist, den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu stellen. Merkel und die Partei wissen, dass sie sich dafür wechselseitig brauchen, mehr denn je. Anders als in der SPD nimmt die Funktionärsschicht der CDU daher manches hin, was an der Basis für Unmut und Abwendung sorgt. Den Sozialdemokraten und auch der CSU zeigte die CDU mit Ovationen für Merkel und der nahezu einstimmigen Annahme der „Karlsruher Erklärung“, dass ihr Wille zur Macht auch nach 46 Jahren Regierungsverantwortung ungebrochen ist.

          Eine der besten Parteitagsreden Merkels

          Es waren denn auch die langen Linien, mit denen die Kanzlerin in einer ihrer besten Parteitagsreden wenigstens die Delegierten für die nächste Zeit mit ihrer Flüchtlingspolitik versöhnte. In Bayern würde man das eine „Mia-san-mia“-Rede nennen: selbst- und geschichtsbewusst, kämpferisch, untergehakt. Merkel zog alle ihr zur Verfügung stehenden Register der politischen Rhetorik, um der Partei Zuversicht zu geben. Ihr Tenor dabei: Leicht war es nie, aber wir schafften es immer. Haben etwa Adenauer, Erhard und Kohl vor ihren epochalen Entscheidungen gezaudert und gezweifelt?

          Auch Merkel, die sich immer öfter in die Linie der großen Kanzler stellt, will sich dereinst nicht Mutlosigkeit nachsagen lassen. Den Befürchtungen, die Masseneinwanderung werde die Republik zu ihrem Nachteil verändern, hält sie ein helles Zukunftsbild entgegen: Deutschland solle in 25 Jahren „offen, neugierig, tolerant und spannend“ sein, „mit einer starken eigenen Identität“. Mit solchen Sätzen fängt sie alle Flügel der Partei ein – und noch eine Menge Wähler links von ihr. Die Flüchtlingskrise selbst bewältigt Merkel damit nicht. In Karlsruhe ging es freilich auch nur um die aktuell zweitgrößte Herausforderung für sie: unbeschädigt den Parteitag zu überstehen.

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