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Ministerpräsident Ramelow : „Menschen im Osten erleben fast täglich emotionale Verletzungen“

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Fordert mehr Respekt für Ostdeutsche: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Bild: dpa

Fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung sehen die Ministerpräsidenten der neuen Länder immer noch große Defizite zwischen Ost- und Westdeutschland. Besonders deutlich wird der Regierungschef von Thüringen.

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          28 Jahre nach der Wiedervereinigung sehen die ostdeutschen Regierungschefs vor allem noch wirtschaftliche und soziale Defizite in ihren Bundesländern. Auf die Frage des Berliner „Tagesspiegels“, was geschehen müsse, damit sich die Lücke zwischen Ost und West schließt, antwortete etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU): „Der Osten krankt daran, dass bei uns leistungsstarke und innovative Großunternehmen fehlen.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte: „Die Digitalisierung ist eine große Chance. Deshalb brauchen wir eine hundertprozentige Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk.“

          Für Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) umfasst die Angleichung der Lebensverhältnisse „mehr als die Fragen von Lohn und Lebenshaltungskosten“. So wichtig das sei, so überfällig sei ein Mentalitätswechsel, der endlich die wirtschaftlichen Leistungen und die Innovationskraft des Ostens als Bereicherung würdige. Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte Ramelow zudem, der der gesamtdeutsche Umgang miteinander sei „bis heute oftmals verheerend.“ „Auf der emotionalen Seite erleben die Menschen im Osten nahezu täglich Verletzungen“, sagte der Ministerpräsident.

          „Geht um Respekt, nicht um Dankbarkeit“

          Die Ostdeutschen machten immer wieder die Erfahrung, dass sie sich rechtfertigen müssen. „Für alles“, kritisierte der Linken-Politiker. Dabei leisteten sie genau so viel für die deutsche Einheit wie die Menschen im Westen. Die Ostdeutschen arbeiteten länger und das für weniger Lohn und müssten sich dann noch anhören, sie seien „undankbar“. „Es geht aber nicht um Dankbarkeit, sondern um Respekt“, sagte Ramelow. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) unterstrich, in den vergangenen 28 Jahren habe sich viel bewegt, und Ostdeutschland habe viele Erfolge verzeichnen können. Daran müsse der Osten anknüpfen.

          Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) forderte „eine stärkere Sichtbarkeit und Wertschätzung der Ostdeutschen“. Fast drei Jahrzehnte nach der Einheit sei immer noch nicht volle Lohn- und Rentengleichheit erreicht. Für den Berliner Regierungschef Michael Müller (SPD) strahlt die Wirtschafts- und Wachstumsmetropole Berlin auf Umland und neue Länder aus: „Dadurch kann unsere Stadt einen Beitrag zur Angleichung der Lebensverhältnisse auch über die Grenzen der Metropolregion Berlin-Brandenburg in die anderen neuen Länder hinein leisten.“

          Wegen der Bundesratspräsidentschaft Berlins werden die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober diesmal in der Hauptstadt ausgerichtet. Das dreitägige Bürgerfest war am Montagabend eröffnet worden. Für Mittwoch sind ein ökumenischer Gottesdienst und ein Festakt mit den Spitzenvertretern der Verfassungsorgane geplant.

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