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Erste Streiks : Der Osten will weg vom Billiglohn

  • -Aktualisiert am

Die ostdeutsche Teigwarenfabrik Riesa gehört mittlerweile zum schwäbischen Unternehmen Alb-Gold. Bild: dpa

Noch immer zahlen die Nahrungsmittelhersteller im Osten weniger als im Westen. Mehr als tausend Euro kann der Unterschied betragen. Jetzt ist der Kampf dagegen voll entbrannt.

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          Uwe Ledwig ist derzeit viel auf Achse. In den vergangenen Tagen war er zu Tarifverhandlungen in Sachsen unterwegs, davor auch in Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Ledwig ist Chef des Landesbezirks Ost der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Seine Mission: Dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung sollen auch im Osten Deutschlands wenigstens annähernd gleiche Löhne gezahlt werden wie im Westen. „Mit dem Programm bin ich 2018 angetreten und gewählt worden“, sagt er. „Dem fühle ich mich verpflichtet.“ Einstimmig votierten die Mitglieder für seinen Plan, die Tarifverträge zum Laufzeitende zu kündigen und die Entgelte Ost an das Westniveau anzugleichen. Die Lohnlücken gerade in der Nahrungsmittelbranche sind beträchtlich: Zwischen 350 und 1150 Euro weniger erhalten Mitarbeiter tarifgebundener Unternehmen je Monat im Osten im Vergleich zum Westen, und das bei auch zwei Stunden Mehrarbeit je Woche.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Ledwig kommt gerade aus Bautzen, wo die Mitarbeiter von „Bautz’ner Senf“ vor kurzem im Warnstreik waren. Mit Schildern wie „Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde“ und „30 Jahre Ost-West-Lohnunterschiede – es reicht“ standen sie vor dem Tor ihrer Fabrik. Die hatte die Treuhand 1992 an die Münchner Firma Develey verkauft, die das Werk modernisierte. „Bautz’ner“ ist heute Marktführer in Deutschland und im Osten der meistverkaufte Senf überhaupt. Die Löhne jedoch rangieren am unteren Ende der Skala. 12,14 Euro beträgt laut Gewerkschaft der Facharbeiterlohn, den Develey in Bautzen zahlt, 18,44 Euro sind es bei „Löwensenf“ in Düsseldorf, der auch zum Unternehmen gehört. Und eine Laborantin, die in Bautzen die Produktqualität kontrolliert, bekäme tausend Euro mehr im Monat, würde sie in der Firmenzentrale in Unterhaching arbeiten.

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