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Oskar Lafontaine : Ende einer Ära

Die Ära von Oskar Lafontaine in der Linkspartei hätte ein würdigeres Ende verdient gehabt Bild: dapd

Mit seiner selbstherrlichen Bewerbung für den Parteivorsitz hatte Oskar Lafontaine die Linkspartei vollends ins Chaos gestürzt. Dietmar Bartsch hat sich vorerst durchgesetzt. Freie Fahrt hat er noch lange nicht.

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          Die Ära Lafontaine in der Linkspartei hätte ein würdigeres Ende verdient gehabt. Aber Oskar Lafontaine bleibt Oskar Lafontaine. Mit seiner selbstherrlichen Bewerbung für den Parteivorsitz - alle anderen mussten gefälligst verzichten, sonst macht er es nicht - hatte er die ohnehin zerzauste Linkspartei vollends ins Chaos gestürzt. Alte Gräben ideologischer und geographischer Art brachen wieder auf. Das ging so weit, dass Orthodoxe und Reformer sich wüst beschimpften und schon vom Scheitern der Ost-West-Fusion die Rede war.

          Seinen Widerpart, Dietmar Bartsch, der frühzeitig und als Erster seine Kandidatur bekanntgegeben und damit Mut bewiesen hatte, brachte Lafontaine so in eine unmögliche Lage: Sollte er verzichten, weil das alte Schlachtross der Linken noch einmal den Karren aus dem Dreck ziehen wollte? Aber durfte er denn verzichten, wenn sich das die Landesverbände im Osten, auf denen schließlich die ganze Hoffnung der Partei liegt, doch nicht bieten lassen konnten?

          Bartsch setzte sich in diesem Duell durch, weil er die Gunst Gregor Gysis zurückgewann, ausgerechnet Gysis, der ihn einst der Illoyalität gegenüber Lafontaine gescholten und aus der Führung der Partei geboxt hatte.

          Hat nun Bartsch freie Fahrt? Schon deshalb nicht, weil sich mit Lafontaines Verzicht die Frage längst noch nicht erledigt hat, ob hier auch die Fusion vor die Hunde gehe. Sie stellt sich nun erst recht. Denn die fusionierte Partei ist mit dem mittelmäßigen Gespann Lötzsch-Ernst nie richtig flottgemacht worden; sie krankt noch immer an unterschiedlichem Wurzelwerk und hat im Westen mit der Piratenpartei neue Konkurrenz bekommen (einmal von der nach links gerückten SPD abgesehen).

          Auch die Unterstützung seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht half Oskar Lafontaine am Ende im Machtkampf bei der Linkspartei nicht

          Die Wahl des neuen Parteivorstands Anfang Juni in Göttingen sollte allseits dokumentieren, dass die Integration gelungen sei. Für Bartsch spricht, dass er die Erbhöfe der Partei im Osten repräsentiert, die mit ihrer pragmatischen Art noch immer in der Lage sind, die SPD kleinzuhalten und eines Tages einen Ministerpräsidenten zu stellen.

          Doch nun werden sich die westlichen Verbände fragen, ob damit nicht die Integration dokumentiert werde, sondern vielmehr, wie der Osten den Westen abhänge. Das Thema Doppelspitze oder „kollektive Führung“ wird der Partei also erhalten bleiben. Das Argument, Bartsch sei unbekannt, sollten die Westsozialisten nicht allzu oft bemühen. Darüber lachen nämlich schon die Hühner - im Osten.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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