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Organtransplantationen : Schärfere Kontrollen sollen Manipulationen eindämmen

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Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery will, das Transplantationszentren im äußersten Fall auch geschlossen werden Bild: dpa

Mit mehr Transparenz und Kontrollen wollen Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen das Vertrauen der Patienten zurückgewinnen. Bei der Vergabe von Spendenorganen soll künftig ein „Mehraugenprinzip“ gelten.

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          Als Reaktion auf den Skandal um Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen machen sich Ärzte, Kliniken und Krankenkassen für schärfere Kontrollen stark. Bei der Anmeldung von Patienten für die Warteliste und der Zuteilung von Organen solle künftig ein „Mehraugenprinzip“ verankert werden, teilte Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery am Donnerstag nach einem Krisentreffen in Berlin mit. Dabei solle etwa ein Laborarzt kontrollieren, ob die an die Organisation Eurotransplant gemeldeten Werte korrekt seien. In den Transplantationszentren sollten dazu interdisziplinäre Konferenzen eingerichtet werden.

          Ärztekammer, Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung machen sich als Träger der Prüf- und Überwachungskommission in einer gemeinsamen Erklärung zudem dafür stark, verdachtsunabhängige Kontrollen einzuführen. Dafür müsse Personal und Geld zur Verfügung gestellt werden. Bei nachgewiesenem schweren ärztlichen Fehlverhalten soll zudem die Zulassung ruhen oder entzogen werden. Die Ärztekammern können dies bislang nicht selbst, sondern können dies allenfalls den staatlichen Stellen empfehlen. Weiter sagte Montgomery, als letzte Konsequenz müsse im Falle von Fehlverhalten auch die vorübergehende oder dauerhafte Schließung von Transplantationszentren möglich sein.

          Sitzungsort: In der Bundesärztekammer in Berlin tagten die Kommissionen zur Prüfung und Überwachung der Organtransplantation
          Sitzungsort: In der Bundesärztekammer in Berlin tagten die Kommissionen zur Prüfung und Überwachung der Organtransplantation : Bild: dpa

          Hintergrund sind die mutmaßlichen Manipulationen in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg. Dort sollen ausgewählten Patienten gegen Geld Spenderlebern verschafft worden sein.

          Die Vereinbarung sieht auch vor, Prüfberichte zu veröffentlichen. Zudem soll das in die Kritik geratene beschleunigte Vermittlungsverfahren von Organen kritisch analysiert werden, bei dem sogenannte „schwer vermittelbare Organe“ - etwa von alten Spendern - in dem jeweiligen Krankenhaus einem Patienten zugutekommen. Die Opposition hatte die rapide Zunahme dieser Transplantationen als erklärungsbedürftig bezeichnet

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