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Organspenden : Kauders Vorschläge stoßen auf Bedenken

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Lebensrettende Spenderorgane Bild: dpa

Die Überlegungen von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), alle Bürger einmal in ihrem Leben zur Organspende zu befragen, stoßen auf Bedenken. Die Grünen unterstellen Kauder „ungeheure Naivität“. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) begrüßt hingegen den Vorschlag.

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          Die Überlegungen des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU), alle Bürger einmal in ihrem Leben zur Organspende zu befragen, stoßen auf Bedenken. „Volker Kauders Vorschlag lässt viele Fragen offen. Über Aufklärung und Information mehr Menschen zum Nachdenken über die Organspende zu bringen, unterstützen wir ausdrücklich. Sie aber unter moralischen Druck zu setzen oder gar zu einer Erklärung auf einem Personaldokument zu drängen, reicht ins persönliche Selbstbestimmungsrecht hinein“, sagte die Grünen-Politikerin Elisabeth Scharfenberg der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.)

          Kauders Wunsch, im Bundestag eine Gesetzesänderung „in dieser Gewissensfrage“ ohne konkurrierende Anträge abzustimmen, zeuge zudem „entweder von ungeheurer Naivität oder von einem sehr merkwürdigen Demokratieverständnis.“

          Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer forderte eine neue, grundsätzliche Diskussion über den Hirntod. „Wir sollten die Diskussion, wann ein Mensch tot ist, sehr offen und ohne Tabus führen“, sagte Singhammer der F.A.S. Er verwies darauf, dass der Bioehtik-Rat in den Vereinigten Staaten aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse 2008 zu der Schlussfolgerung gelangt sei, dass der Hirntod nicht mehr als Definition des Todes des Menschen gelten könne. „Die Politik kann es sich nicht so einfach machen“, sagte Singhammer. Die Unsicherheit, wann ein Mensch wirklich tot sei, sei der „tiefsitzende Grund“ für viele Menschen, einer Organspende nicht zuzustimmen.

          Rösler: „Aus ethischen Gründen absolut notwendig“

          Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) begrüßte hingegen den Vorschlag Kauders. Rösler sagte der F.A.S., er halte es „aus ethischen Gründen absolut für notwendig, unsere Anstrengungen für mehr Organspenden weiter auszubauen.“ Es gebe verschiedene Wege, um die Menschen für eine Organspende zu sensibilisieren, ohne sie unter Druck zu setzen. „Dazu zählt ein entsprechender Hinweis bei der Ausgabe des Personalausweises oder des Führerscheins. Ich kann mir auch einen freiwilligen Eintrag auf der Elektronischen Gesundheitskarte - einsehbar nur für Ärzte und andere Heilberufe - vorstellen“ sagte Rösler der F.A.S.

          Das Bundesinnenministerium lehnt hingegen den Vorschlag ab, in den Pass- und Ausweisbehörden Informationen über die Organspende auszulegen. Das Ausstellen eines Ausweises sei ein hoheitlicher Vorgang, heißt es. In diesem Zusammenhang könne der Hinweis der Behörde zur Organspende zu einer moralischen Drucksituation führen, die einer freiwilligen Entscheidung entgegenwirken könnte, fürchtet man im Bundesinnenministerium. Einen entsprechenden Vorschlag des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU) hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) schon im Herbst abgelehnt.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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