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Organspende-Skandal : Kein Ende

  • -Aktualisiert am

Der Vertrauensschwund beim Umgang mit Leber, Herz und Nieren schadet dem Ansehen der ganzen Ärzteschaft. Manipulierende Mediziner sollten das Recht zur Ausübung des Arztberufes verlieren.

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          Die neuen schlechten Nachrichten aus der Welt der Transplantationszentren kommen nicht mehr ganz unerwartet. Was zunächst bei Bekanntwerden der ersten Manipulationen an den Transplantationszentren in Regensburg und Göttingen im vergangenen Jahr wie der beklagenswerte Einzelfall eines einzelnen, fehlgeleiteten Mediziners aussah, hat sich im Laufe der Zeit zu einem Skandal der Transplantationsmedizin insgesamt herausgewachsen.

          Und ein Ende ist nicht abzusehen: Bisher ist nicht einmal ein Viertel der 47 Transplantationszentren kontrolliert worden. Da kann noch einiges an die Oberfläche kommen. So wie in München und jetzt auch in Leipzig, wo Ärzte wissentlich gegen geltende Regeln und Recht verstoßen und ihre Patienten mit gefälschten Daten auf der Empfängerliste für fremde Organe nach oben befördert haben. In wie weit sie damit den Tod anderer Patienten billigend in Kauf genommen haben, werden die Staatsanwälte zu prüfen haben.

          Der Schaden ist immens. Das gilt selbstredend, aber nicht nur für die Patienten auf den Wartelisten für Spenderorgane, die hintergangen wurden und für die jeder Missbrauch ein Todesurteil sein kann. Es gilt für alle Kranken, die sich buchstäblich hilflos vorkommen müssen. Es gilt auch für die Spender, deren Misstrauen mit jedem neuen Manipulationsfall wachsen muss. Die Zahl der Spenderorgane ging just zu der Zeit im vergangenen Jahr zurück, als die ersten Betrugsfälle öffentlich wurden. Nicht zuletzt schaden sich aber auch die Transplantationsmediziner, die ihr eigenes Fachgebiet so gründlich und tief in Misskredit bringen. Der Vertrauensschwund beim Umgang mit Leber, Herz und Nieren schadet dem Ansehen der ganzen Ärzteschaft. Umso mehr müsste es in ihrem Interesse liegen, den grassierenden Imageschaden zu bekämpfen. Das gilt nicht nur für die Manipulationen bei Organspenden, sondern auch für den Verdacht auf Korruption zwischen Ärzteschaft und Pharmaindustrie in einem rechtlichen Niemandsland.

          Der Grat, auf dem Transplantationsmediziner sich bewegen, ist schmal. Damit sie mit ihren ethischen Konflikten nicht alleine bleiben, gibt es ein fein abgestimmtes Regelwerk. Wer dagegen mit Absicht verstößt, muss die Härte des Straf-, aber auch des Berufsrechtes spüren. Solche Mediziner sollten das Recht zur Ausübung des Arztberufes verlieren.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

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