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Organspende-Skandal : Der Teppichhändler

Uniklinikum Göttingen: Hier endete Aiman O.s Karriere
          6 Min.

          Der 2. Juli 2011 war ein Samstag. Darum saß niemand am Empfang der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt, als der Anruf kam. Das Telefon klingelte, bis der Anrufbeantworter anging. Eine Stimme schleuderte zwei Sätze auf die Maschine: „Die Göttinger Uni-Klinik ist in kriminelle Machenschaften verstrickt. Oder kauft man die Organe direkt bei Ihnen?“ Nachricht Ende.

          Friederike Haupt
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Zwei Tage später, am Montag, wurde die Nachricht abgehört. Aber es sollte noch ein Jahr dauern, bevor die Öffentlichkeit erfuhr, um wen und was es dem anonymen Anrufer ging. Am 4. Juli 2011 informierte die Stiftung erst einmal die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer über den Anruf.

          Aufmerksamkeit war der Arzt gewohnt

          Die Kommission soll sich um alles kümmern, was die Praxis der Organspende und Transplantation berührt: Richtlinien, Zulassungen von Krankenhäusern, die Beratung von Parlamenten. Und sie ist zuständig für die „Beobachtung und Bewertung der Praxis der Organspende“. Die Kommission ließ sich von der Uniklinik Göttingen Einsicht in die Akten geben. Und wurde aufmerksam auf Aiman O. Es war nicht das erste Mal.

          Aufmerksamkeit war der Arzt gewohnt, er suchte sie sogar, allerdings eine andere, angenehmere. Aiman O. wollte, dass man ihn beachtet, wollte sich einen Namen machen und damit Geld verdienen: als Chirurg, der Todkranken neue Lebern einsetzt. Lebertransplantation gilt als Königsdisziplin der inneren Chirurgie. Aiman O. wollte Organe transplantieren, und zwar viele. Je mehr Organe ein Arzt erfolgreich verpflanzt, desto berühmter wird er. Schon früh verfolgte Aiman O. sein Ziel, seit dem Medizinstudium. Mit 45 Jahren hatte er es erreicht. Dann machte der anonyme Anruf alles kaputt.

          O. stach heraus aus der Masse junger Ärzte

          Der Palästinenser Aiman O. schien in Deutschland eine Musterkarriere hinzulegen. Mit 28 Jahren wurde er Assistenzarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort arbeitete einer der berühmtesten Transplantationsmediziner Deutschlands, Rudolf Pichlmayr. Der hatte 1988 als erster Arzt weltweit eine Spenderleber geteilt und die Teile zwei Patienten eingesetzt. Pichlmayr galt als Koryphäe, er wurde „Mediziner des Jahres“ und erhielt unzählige Preise. Aiman O. suchte seine Nähe, und es gelang ihm, herauszustechen aus der Masse junger Ärzte. 1996, erst ein Jahr nachdem er in der Klinik angefangen hatte, veröffentlichte er schon einen Aufsatz zusammen mit Pichlmayr, Thema: Lebertransplantationen bei älteren Patienten. Der junge Assistenzarzt, der alle Bereiche der Klinik kennenlernen sollte, hatte sein Thema gefunden. Und einen Mentor.

          Das war der Oberarzt Hans S., der auch an dem Aufsatz mitgearbeitet hatte. Unter Kollegen galt der gebürtige Hesse als freundlicher, engagierter Typ - und als jemand, der es sehr weit bringen würde. Brillant sei er, hieß es, einer der besten deutschen Nachwuchschirurgen. Er war 1994 in die Transplantationschirurgie des Klinikums gekommen, arbeitete eng mit Pichlmayr zusammen und hatte ebenfalls schon Forscherpreise gewonnen. Aiman O. konnte sich denken, dass der sechs Jahre ältere Kollege ihm später einmal eine Hilfe werden könnte. Aber erst einmal tat er, was Assistenzärzte eben tun. Und noch ein bisschen mehr.

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