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Organhandel : Auf Leben und Tod

Mit menschlichen Organen werden Geschäfte gemacht. Das verdeutlicht der Manipulations-Skandal an der Göttinger Universitätsklinik. Das neue Transplantationsgesetz bleibt eine Gratwanderung.

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          Es ist ein Handel auf Leben und Tod. Handel? Ja, auch mit menschlichen Organen werden Geschäfte gemacht. Das hat spätestens der Skandal an der Göttinger Universitätsklinik gezeigt. Zwar muss man sich davor hüten, den Fall sogleich zu verallgemeinern. Aber man sollte das Geschacher auch nicht vorschnell zur absoluten Ausnahme erklären.

          Denn wo viel Geld fließt - wie im milliardenschweren Gesundheitssystem -, da liegen Versuchungen nicht fern, selbst in einem Berufsstand, der sich unter Berufung auf einen eindrucksvollen antiken Eid dem Heilen verschrieben hat. Gerade Korruptionsdelikte erfordern mindestens zwei Beteiligte; sie gedeihen aber meist in einem größeren Sumpf. In Göttingen geht es aber nicht nur um eine mutmaßliche Bereicherung, sondern womöglich um fahrlässige Tötung. In der Tat: Wenn alles auf dem Spiel steht, kann der Platz auf einer Liste über das Leben entscheiden.

          Der schwerwiegende Verdacht einer Manipulation von Patientendaten fällt fast zusammen mit dem Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes. Damit soll für die Organspende geworben werden, um etwa 12.000 Menschen in Not besser zu helfen. Versucht wird die Gratwanderung, keinen Druck auf potentielle Spender auszuüben, die Entscheidungsfreiheit also hochzuhalten - zugleich aber die Menschen zu einer Entscheidung zu ermuntern.

          Dass gegebenenfalls die Angehörigen entscheiden sollen, ist mit der Autonomie des Betroffenen nicht leicht zu vereinbaren. Und jetzt das: Wie passt zu dieser heiklen Verfügung über letzte Dinge, die von Lebenden über den Bestand ihres eigenen Körpers für den Fall des Todes zugunsten anderer getroffen wird, der willkürliche Umgang mit Organen?

          Die Manipulation der Daten von Patienten, die auf ein Organ warten, ist dazu geeignet, alte Ängste zu wecken und (Vor-)Urteile zu festigen: Wenn der Druck, auf der Transplantationsliste nach oben zu gelangen, verständlicherweise groß ist, dann gilt das auch für den - zudem staatlich unterstützten - Willen nach mehr Organspendern.

          Um welchen Preis? Auch das politische und ärztliche Bemühen, den Eindruck einer Zwei-Klassen-Medizin zu vermeiden, steht vor einer neuen Herausforderung. Gerade das neue Transplantationsgesetz soll die Abläufe verbessern. Aber der Fall Göttingen zeigt, dass Organisation nicht alles ist.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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