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SPD-Bürgermeister Held : Die Stadt bin ich

Voller Geheimnisse: Unter der Katharinenkirche von Oppenheim liegt ein Labyrinth unterirdischer Gänge, das Händlern früher als Lager diente. Bild: Ly, Martin

In Oppenheim läuft lange alles gut. Die kleine Stadt in Rheinhessen hat einen Bürgermeister, der sich kümmert. Marcus Held und seine SPD sind überall. Bis ihm der Erfolg zu Kopf steigt.

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          Die kleine, verwinkelte Stadt Oppenheim birgt ein Geheimnis. Über der Erde stehen das Rathaus und die Sankt-Katharinen-Kirche, fast schon ein Dom, aber unter der Erde liegt das Labyrinth. Weil die Kaufleute ihre Waren in der engen Stadt nicht mehr oberirdisch lagern konnten, gruben sie Hohlräume in den sandigen Grund. So blieb es Hunderte Jahre. Irgendwann vergaßen die Oppenheimer das Labyrinth. Bis sich 1983 plötzlich die Erde auftat und ein Streifenwagen der Polizei mitten am Tag und mitten auf der Straße einbrach. Die Oppenheimer wussten nicht, wie ihnen geschah. Sie waren ratlos und entsetzt. Dabei hätten sie doch eigentlich wissen müssen, warum ihre Stadt plötzlich zusammenbrach.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.
          Timo Steppat
          Redakteur in der Politik.

          Lange lief es ziemlich gut für Oppenheim. Die Einwohnerzahl stieg. Die Altstadt wurde wieder hübsch gemacht. Oppenheim gehörte zu den Städten, die sich für weniger Schwerlastverkehr auf der Bundesstraße 9 einsetzten. All diese Dinge sind mit dem Namen Marcus Held verbunden, dem Bürgermeister von Oppenheim. Überall in der Stadt hört man es: „Marcus Held hat viel für Oppenheim erreicht.“ Held war auch stolz auf die Gründung der Oppenheimer Tourismus GmbH. Denn nun war nicht mehr die Verwaltung, sondern ein privates Unternehmen dafür zuständig, Gäste in die Stadt zu locken, auch in das mittelalterliche Labyrinth unter der Erde. Auch seiner Partei, der örtlichen SPD, brachte Held offenbar nur Erfolg. Von den 7000 Einwohnern Oppenheims waren zu Spitzenzeiten rund 350 Mitglied der SPD. Eine sagenhafte Quote. Held war ein Macher, in einer Stadt, wo nicht allzu viele etwas machten. Und deswegen ließen die Oppenheimer ihn lange machen. Entweder schauten sie wohlwollend zu, wenn langjährige Freunde oder Weggefährten einen Posten bekamen oder Beauftragter für irgendetwas wurden. Oder sie schauten gleich ganz weg, wenn einzelne mahnten und warnten. Und so sahen die Bürger lange nicht, wie sich Marcus Held die Stadt Oppenheim untertan machte.

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