https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/online-befragung-zu-reformen-in-der-katholischen-kirche-17220946.html

Debatte über Missbrauch : „Sind Sie zu einem temporären Kirchenaustritt bereit?“

Kardinal Woelki bei einer Messe an Heiligabend 2020 im Kölner Dom Bild: EPA

Auch aus der Politik wird die Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen immer lauter. Eine Gruppe Katholiken will nun mit einer Online-Befragung zu Reformen Druck erzeugen.

          1 Min.

          Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat vor dem Hintergrund der Vorgänge im Erzbistum Köln eine mangelhafte Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kritisiert. Das Krisenmanagement habe bei vielen Bürgern und Gläubigen den Eindruck erweckt, „dass nicht das Leid der Opfer und die Gerechtigkeit im Fokus stehen“, sagte Klöckner der Zeitung „Bild am Sonntag“.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Klöckner ist auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die Missbrauchsfälle müssten lückenlos aufgeklärt werden, forderte sie. „Den massiven Verdruss verstehe ich – der Umgang mit den Missbrauchsfällen hat zu einer großen Vertrauenskrise geführt.“

          Ähnlich äußerte sich die ehemalige Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU). Sie sei erschrocken über die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, „nicht weil da schlimme Fehler passieren, sondern weil sie abgewiegelt werden“, sagte sie der Zeitung „Tagesspiegel“. Süssmuth war ebenfalls viele Jahre Mitglied im ZdK.

          Online-Befragung zu Reformen

          Unterdessen hat eine Gruppe von Katholiken aus Bremen und Köln aus Unmut über den derzeitigen Zustand der Kirche eine deutschlandweite Online-Befragung zu Reformanliegen entwickelt. An diesem Montag soll ihre Internetseite www.katholischer-klartext.de freigeschaltet werden. Nutzer können auf einer Skala von eins bis sieben angeben, wie wichtig ihnen eine transparente Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, aber auch demokratische Mitbestimmung in der Kirche, die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern oder eine Abschaffung der Zölibatspflicht für Priester sind.

          Die Nutzer werden auch gefragt, ob sie zu einem temporären Kirchenaustritt, einer sogenannten Auszeit, bereit wären, um dadurch Reformen zu beschleunigen, und nach deren Verwirklichung wieder einzutreten. „Es gibt ja in der Kirche sonst keine Ventile. Wir werden ja nicht in Versammlungen gefragt, wie wir zu den Dingen stehen“, sagte Carl Kau, einer der Initiatoren der Befragung, der F.A.Z. Kau und seine Mitstreiter hoffen auf bis zu eine Million Teilnehmer ihrer Befragung. Deren Ergebnis soll anschließend der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegt werden.

          Die deutschen Bischöfe hatten in der vergangenen Woche beschlossen, erstmals deutschlandweit Haltung und Auffassungen von Katholiken untersuchen zu lassen und sich dazu der seit 1973 durchgeführten Kirchenmitgliedsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland anzuschließen.

          Weitere Themen

          Wo liegt die Grenze zum Kriegseintritt Deutschlands?

          Krieg in der Ukraine : Wo liegt die Grenze zum Kriegseintritt Deutschlands?

          Laut Völkerrecht hat Russland selbst dann nicht das Recht, Ziele in Deutschland anzugreifen, wenn es an der Seite der Ukraine am Krieg teilnimmt. Die Bundesregierung ist nicht ganz unschuldig daran, dass dieser Eindruck dennoch entstehen konnte.

          Warum sich die Grünen nur leise freuen

          Wahl in NRW : Warum sich die Grünen nur leise freuen

          In Nordrhein-Westfalen haben die Grünen ihr Ergebnis fast verdreifacht – trotzdem trumpfen sie nicht auf. Sie wissen, welches Risiko Höhenflüge mit sich bringen.

          Topmeldungen

          Panzerhaubitzen 2000 in Munster

          Krieg in der Ukraine : Wo liegt die Grenze zum Kriegseintritt Deutschlands?

          Laut Völkerrecht hat Russland selbst dann nicht das Recht, Ziele in Deutschland anzugreifen, wenn es an der Seite der Ukraine am Krieg teilnimmt. Die Bundesregierung ist nicht ganz unschuldig daran, dass dieser Eindruck dennoch entstehen konnte.
          Im Rhein-Taunus-Krematorium fährt im Januar 2022 ein Sarg mit einem Corona-Toten in den Ofen.

          Pandemie im Sommer : Schaut auf die Corona-Toten!

          Deutschland hat eine hohe Übersterblichkeit, jeden Tag gibt es 150 bis 200 Corona-Tote. Ignoranz und Abstumpfung sind der falsche Weg. Die Gesellschaft muss jetzt die richtigen Fragen stellen.
          Ein weiterer Sieg: Robert Habeck am Montag in Magdeburg

          Wahl in NRW : Warum sich die Grünen nur leise freuen

          In Nordrhein-Westfalen haben die Grünen ihr Ergebnis fast verdreifacht – trotzdem trumpfen sie nicht auf. Sie wissen, welches Risiko Höhenflüge mit sich bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage