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Debatte über Missbrauch : „Sind Sie zu einem temporären Kirchenaustritt bereit?“

Kardinal Woelki bei einer Messe an Heiligabend 2020 im Kölner Dom Bild: EPA

Auch aus der Politik wird die Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen immer lauter. Eine Gruppe Katholiken will nun mit einer Online-Befragung zu Reformen Druck erzeugen.

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          Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat vor dem Hintergrund der Vorgänge im Erzbistum Köln eine mangelhafte Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kritisiert. Das Krisenmanagement habe bei vielen Bürgern und Gläubigen den Eindruck erweckt, „dass nicht das Leid der Opfer und die Gerechtigkeit im Fokus stehen“, sagte Klöckner der Zeitung „Bild am Sonntag“.

          Thomas Jansen
          (tja.), Politik

          Klöckner ist auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die Missbrauchsfälle müssten lückenlos aufgeklärt werden, forderte sie. „Den massiven Verdruss verstehe ich – der Umgang mit den Missbrauchsfällen hat zu einer großen Vertrauenskrise geführt.“

          Ähnlich äußerte sich die ehemalige Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU). Sie sei erschrocken über die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, „nicht weil da schlimme Fehler passieren, sondern weil sie abgewiegelt werden“, sagte sie der Zeitung „Tagesspiegel“. Süssmuth war ebenfalls viele Jahre Mitglied im ZdK.

          Online-Befragung zu Reformen

          Unterdessen hat eine Gruppe von Katholiken aus Bremen und Köln aus Unmut über den derzeitigen Zustand der Kirche eine deutschlandweite Online-Befragung zu Reformanliegen entwickelt. An diesem Montag soll ihre Internetseite www.katholischer-klartext.de freigeschaltet werden. Nutzer können auf einer Skala von eins bis sieben angeben, wie wichtig ihnen eine transparente Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, aber auch demokratische Mitbestimmung in der Kirche, die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern oder eine Abschaffung der Zölibatspflicht für Priester sind.

          Die Nutzer werden auch gefragt, ob sie zu einem temporären Kirchenaustritt, einer sogenannten Auszeit, bereit wären, um dadurch Reformen zu beschleunigen, und nach deren Verwirklichung wieder einzutreten. „Es gibt ja in der Kirche sonst keine Ventile. Wir werden ja nicht in Versammlungen gefragt, wie wir zu den Dingen stehen“, sagte Carl Kau, einer der Initiatoren der Befragung, der F.A.Z. Kau und seine Mitstreiter hoffen auf bis zu eine Million Teilnehmer ihrer Befragung. Deren Ergebnis soll anschließend der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegt werden.

          Die deutschen Bischöfe hatten in der vergangenen Woche beschlossen, erstmals deutschlandweit Haltung und Auffassungen von Katholiken untersuchen zu lassen und sich dazu der seit 1973 durchgeführten Kirchenmitgliedsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland anzuschließen.

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