https://www.faz.net/-gpf-814e5

Olympia-Kandidatur : Jetzt müssen nur noch alle begeistert sein

Hanseatische Erfahrung mit Großprojekten: Blick auf Teile der Hafencity, die Elbphilharmonie und den Hamburger Hafen. Bild: dpa

Hamburg will die Sommerspiele 2024 ausrichten. Die SPD jubelt, die Grünen sind vorsichtig skeptisch. Der Rest hängt vom Volk ab.

          5 Min.

          Wie es um Hamburg und seine Bewerbung für die Olympischen Spiele wirklich steht, lässt sich dieser Tage auf der Rathaustreppe beobachten. Dort stehen die Vertreter von SPD und Grünen, um nach jeder Runde über ihre Koalitionsverhandlungen zu berichten. Natürlich geht es dabei nicht immer nur um Olympia. Aber Olympia hat so eine Art Hintergrundrauschen erzeugt. Auf der Rathaustreppe zeigt sich das Ungleichgewicht der Partner. Hier die SPD, welche die absolute Mehrheit bei der Bürgerschaftswahl nur knapp verfehlte und zusammen mit einer Mehrheit der Hamburger ja zu Olympischen Spielen in der Stadt sagt. Dort die Grünen, die so ziemlich alles tun würden, um endlich wieder in die Regierung zu kommen, und deshalb auch in der olympischen Frage einen seltsamen Zickzackkurs fahren, bei dem Olympia-Befürworter wie -Gegner nicht so recht wissen, woran sie sind.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bürgermeister Olaf Scholz hatte gleich nach seinem Wahlsieg den Grünen zwar die Koalition versprochen, aber auch deutlich gemacht, dass in den Verhandlungen stets das Ungleichgewicht des Wahlergebnisses im Auge zu behalten sei. Das war eine Warnung an die Grünen, den Bogen nicht zu überspannen. So also dominiert die SPD gut gelaunt die Gespräche, und die Grünen geben ihre Forderungen eine nach der anderen auf – Elbvertiefung verhindern, Stadtbahn bauen, Umweltzone einführen, Citymaut kassieren. Die Olympia-Skepsis aber blieb ihnen vorläufig noch. Sie können sie pflegen bis zur endgültigen Entscheidung der Hamburger für oder gegen Olympia, also bis zu einem Volksentscheid.

          Senat hat schlechte Erfahrungen mit Volksentscheiden

          Dabei gibt es aber gleich zwei Probleme. Zum einen muss die Bürgerschaft erst einmal die rechtliche Möglichkeit für ein solches Referendum, eine Art Volksentscheid von oben, schaffen. Dazu muss die Verfassung geändert werden, denn bislang ist so etwas nicht vorgesehen. Zum anderen hat der Senat unliebsame Erfahrungen mit Volksentscheiden gemacht. Weder in der Schulpolitik noch beim Rückkauf der Hamburger Energienetze, den jüngsten Themen für Volksentscheide, hatte er sich durchsetzen können. Und dann wird auch gleich die Erinnerung an München wach, wo trotz guter Stimmung für Olympia beim Bürgerentscheid ein Nein herauskam. Fällt der Hamburger Entscheid aber dafür aus, sind die Grünen längst Teil der Regierung und müssen zeigen, wie begeistert auch sie von der Idee der Spiele sind.

          Was hat sich die Stadt nicht alles einfallen lassen im Wettstreit mit Berlin. Da wurden die olympischen Ringe mit Frühjahrsblühern vor der Michaeliskirche, dem Michel, in den olympischen Farben gepflanzt. Da machten 20000 Fackelträger an der Alster Eindruck. Überall in der Stadt wiesen Großplakate auf Olympia hin. Hamburg sei „Feuer und Flamme für Spiele“, war darauf zu lesen. Die Olympia-Gegner nannten das eine „mit viel PR und Budenzauber“ künstlich erzeugte Pro-Olympia-Stimmung. Da entstand durch Privatinitiative das Olympiastadion schon mal im Kleinformat in der Europapassage nahe dem Rathaus. 75000 Plätze waren innerhalb von fünfzehn Tagen vergeben, 5000 mehr, als es im richtigen Stadion gäbe. Als Letzter durfte sich der Hamburger Unternehmer und Stifter Alexander Otto in seiner Eigenschaft als Erster Olympia-Botschafter Hamburgs mit einer Minifigur hineinsetzen. Das alles lief unter dem Motto: „Weil Hamburg nur gewinnen kann“.

          Weitere Themen

          Wer wird Kanzlerkandidat? Video-Seite öffnen

          Vor dem CDU-Parteitag : Wer wird Kanzlerkandidat?

          In Leipzig wird das große Schaulaufen zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz erwartet. F.A.Z.-Ressortleiter Jasper von Altenbockum verrät im Video die Chancenverteilung und wen man nicht vergessen darf.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.