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Olympia 2012 : Leipziger Allerlei aus dem Küchenkabinett

Stecken unter einer Decke: Jung und Tiefensee Bild: dpa/dpaweb

Das "kitchencabinet" unter Führung von Tiefensee und Jung verfolgte seine eigene Strategie. Diese Erkenntnis förderte jetzt der Prüfbericht über die Olympia GmbH zutage.

          Der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und der Beigeordnete für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Burkhard Jung (beide SPD), waren intensiver in das Tagesgeschäft der Olympia GmbH Leipzig 2012 involviert, als bisher angenommen. Sie verfolgten dabei gleichzeitig eine offizielle, vom Aufsichtsrat sanktionierte und eine verborgene Strategie.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Beide Politiker gehörten einem intern als "kitchencabinet" bezeichneten Zirkel an, der entgegen einem Beschluß des Aufsichtsrats, dem sie selbst ebenfalls angehörten, Kontakt zu sogenannten internationalen Beratern aufnehmen wollte. Das geht aus dem bisher nicht veröffentlichten Prüfbericht zum Geschäftsgebaren der Olympia GmbH hervor. Der Bericht ist dem Aufsichtsrat der GmbH am 19. November in Frankfurt vorgestellt worden.

          "Internationale Kommunikationsstrategie"

          Das "kitchencabinet" sollte monatlich zusammenkommen. Die erste Sitzung war für den 14. Oktober vorgesehen. Teilnehmen sollten neben Tiefensee und Jung auch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Klaus Steinbach, der damalige sächsische Olympiastaatssekretär Wolfram Köhler (CDU), der Rostocker Oberbürgermeister Arno Pöker, da in Rostock die Segelwettbewerbe stattfinden sollen, sowie die internationalen Berater John Boulter und Patrick K. Magyar.

          Ziel der Veranstaltung sollte laut Prüfbericht die "Internationale Kommunikationsstrategie" sein. "Nach den übergebenen Unterlagen lag die Vorbereitung dieser Veranstaltung auch in Teilen in den Händen von Herrn Abold, der die internationalen Berater gewonnen hatte. Die Vorbereitung durch Herrn Abold und die Einladung von internationalen Beratern widerspricht der Festlegung aus der 2. Sitzung des Aufsichtsrats am 26.06.2003", heißt es in dem Prüfbericht.

          Aufsichtsrat umgangen

          Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte laut Protokoll der Sitzung "erhebliche Bedenken zur hinreichenden Qualifikation" der Sportmarketingfirma Abold geäußert. Der Münchner Andreas Abold war vor allem durch seine Geschäftsbeziehungen zu dem früheren stellvertretenden Präsidenten des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeistersachaft 2006 und Lobbyisten Fedor Radmann aufgefallen. Radmann ist mittlerweile freiberuflich für das Kommitee tätig.

          Einvernehmlich hatte der Olympia-Aufsichtsrat festgelegt, daß dem Aufsichtsrat für die Kommunikationsberatung nach einer Ausschreibung die besten drei Angebote vorzulegen sind. Die Firma Abold wurde entgegen der Festlegung bis August mit mehreren Leistungen in Gesamthöhe von fast 80.000 Euro beauftragt. Die Prüfer kommen zu dem Schluß: "Die Umgehung des Aufsichtsrats in dieser Angelegenheit und die Tatsache, daß Herr Thärichen als Geschäftsführer und Herr Jung als Aufsichtsratsmitglied der Bewerberstadt diese Vorgehensweise der Gesellschaft nicht aufgehalten haben, hat dazu geführt, daß dieser Vorgang bedenklich wurde." Die Angelegenheit macht deutlich, daß Jung in der Olympia GmbH, der er nicht angehörte, die Rolle eines Vorgesetzten spielte.

          Jung nicht berechtigt

          Schon in der Vorgänger-GmbH, die sich nach dem Sieg Leipzigs im nationalen Wettbewerb um die Olympiabewerbung in Liquidation befindet, umgingen Jung und Dirk Thärichen gemeinschaftlich den Aufsichtsrat, als sie am 3. Januar 2003 eine Vereinbarung über die Zahlung einer fünfzehnprozentigen Provision an das Sportvermarktungsunternehmen SCI GmbH auf Zahlungen der Stadt Leipzig an die GmbH unterzeichneten. Eine Gegenleistung ist nicht unmittelbar erkennbar.

          Der Geschäftsführer des Unternehmens gab an, mit diesen Zahlungen seien alte Rechnungen, teilweise über Bandenwerbung für die Olympiabewerbung der Stadt beim Tennisturnier in Leipzig, beglichen worden. In ihrem ebenfalls am 19. November in Frankfurt vorgestellten Bericht urteilen die Liquidatoren der alten GmbH: "Herr Jung war weder als Beigeordneter und Olympiabeauftragter der Stadt Leipzig noch als Mitglied der Gesellschafterversammlung berechtigt, einen Anspruch der SCI Sport Consulting International GmbH gegenüber der Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH zu bestätigen."

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