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Neues SPD-Duo stellt sich vor : Mehr als ein dekoratives Salatblatt

Klara Geywitz will nicht die zweite Geige neben Olaf Scholz spielen. Bild: dpa

Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Klara Geywitz ist nicht gerade bekannt, will aber im Team mit Olaf Scholz SPD-Vorsitzende werden. Bei einer Pressekonferenz stellte Geywitz klar, dass sie nicht bloß Dekoration ist.

          Olaf Scholz und Klara Geywitz wollen ein gutes Team sein. Der Bundesfinanzminister und die brandenburgische Landtagsabgeordnete wollen künftig die SPD führen. Dass letzteres eine große Herausforderung wird, ist sowieso klar. Aber auch ein gutes Team zu sein ist gar nicht so einfach. Die Grünen können ein Lied davon singen. Sie haben schon öfter erlebt, dass ihre Doppelspitze nicht so recht harmonierte, teilweise sogar aktiv gegeneinander arbeitete. Das Paar Baerbock/Habeck aber passt. Grund genug für die Sozialdemokraten, das Wagnis einzugehen. Wichtig ist, sich hinreichend ähnlich zu sein, um an einem Strang zu ziehen, und doch so unterschiedlich, dass man sich gegenseitig ergänzen und unterschiedliche Wählergruppen ansprechen kann. 

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Am Mittwoch bei der Vorstellung des Paares, dessen Kandidatur vom Hamburger Landesverband unterstützt wird, ging es auch vor allem um Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Geywitz sagte: „Wir haben beide einen Hang zur Ironie, und wir lesen beide gerne Bücher.“ Außerdem leben beide in Potsdam. Und in ihrem Ziel sind sie sich einig: Nicht nur Vorsitzende werden, sondern auch „alle Kraft einsetzen, damit es der SPD besser geht als es jetzt der Fall ist“, sagte Scholz. „Diese Partei hat es verdient.“

          Aber Scholz und sie seien „ganz unterschiedliche Personen mit ganz unterschiedlichen Biografien“, so Geywitz. Manches ist offensichtlich: Frau, Mann, sie aus Ostdeutschland, genauer gesagt aus Potsdam, er aus Hamburg. Die 43 Jahre alte Geywitz beschrieb sich am Mittwoch selbst als „junge Frau“, Scholz ist 61 Jahre alt. Sie hat drei Kinder, er keine. Sie spricht mehr und offensichtlich mit größerer Freude als der zurückhaltende und manchmal etwas verdruckste Hanseat. Zu ihren jeweiligen kommunikativen Fähigkeiten sagt Geywitz: „Olaf Scholz kann ziemlich viel gut erklären, ich kann ziemlich viel auf den Punkt bringen.“

          „Gutes Gespür, wie die Menschen im Land sich fühlen“

          Scholz hat Regierungserfahrung in Bund und Land, ist seit Jahren stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, war auch mal Generalsekretär und ein paar Wochen sogar kommissarischer Vorsitzender. Geywitz ist zwar im Parteivorstand, doch sie hob am Mittwoch andere Stärken hervor: „Ich habe ein gutes Gespür dafür, wie sich die Menschen im Land fühlen“, sagte sie. Und sie zitiert den Malermeister Zacharias aus Potsdam, der gesagt haben soll, nachdem er von ihrer Kandidatur erfahren hat: „Eine einfache Person aus Potsdam geht nach Berlin und vertritt uns.“

          Geywitz will sich allerdings nicht auf ein „dekoratives Salatblatt“ reduzieren lassen, wie sie es nannte. Die Aufgabenverteilung zwischen ihr und Scholz sehe sicherlich nicht vor, dass er die Weltpolitik mache und sie die Ortsverbände besuche. In Finanzthemen allerdings werde sie Scholz gerne den Vortritt lassen, sagte Geywitz, fügte aber hinzu: „Man muss als Spitzenpolitiker in der Lage sein, zu allen Bereichen etwas zu sagen.“

          Über das Thema Groko wollten die beiden am Mittwoch nicht sprechen. Es gebe ja einen „Fahrplan“, wie entschieden wird, ob die Koalition mit der Union fortgesetzt werde oder nicht, sagte Geywitz. Allerdings müssen die SPD-Mitglieder schon im Herbst darüber befinden, wer die Partei führen soll – also bevor Anfang Dezember auf dem Parteitag in Berlin über das Schicksal der großen Koalition entschieden wird. Insofern ist durchaus zu erwarten, dass auf den 23 anstehenden Regionalkonferenzen gefragt wird, wie die Kandidaten es denn mit der Groko halten. Scholz wiegelte am Mittwoch ab, das Thema werde in der Bewerbungsrunde nicht im Mittelpunkt stehen, den SPD-Mitgliedern seien andere Themen viel wichtiger, Klima etwa oder Solidarität, struktureller Wandel. Geywitz sagte immerhin: „Wir wollen beide gestalten, und das kann man am besten in der Regierung.“ Noch eine Gemeinsamkeit also.

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