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Familienministerin Giffey : Die Frau, ohne die nichts geht

  • -Aktualisiert am

Franziska Giffey in der Berufsfachschule für Altenpflege im Johannesstift in Berlin-Spandau Bild: Matthias Lüdecke

Franziska Giffey war Bürgermeisterin von Berlin-Neukölln und führt nun das Familienministerium. Wer ist die Frau mit dem warmen Lächeln und dem Law-and-Order-Image? Rumschubsen lässt sie sich jedenfalls nicht.

          Seit ihrem Amtsantritt hat Familienministerin Giffey Saurierknochen untersucht, mit Jungs über Traumjobs gesprochen und Babys im Bällebad beobachtet. Sie ist über Spielplatzsand gestöckelt, hat Etatverhandlungen geführt und einer Plastikpuppe namens Frau Meier den Verband gewechselt. Franziska Giffey ist Bundesministerin für Familie, Jugend, Frauen und Senioren. Die 80-Millionen-Frau im Kabinett.

          Ob beim Girls‘ Day im Naturkundemuseum oder in einer Altenpflegeschule: Ihre Arbeit betrifft jeden der mehr als 80 Millionen Deutschen. Kitaausbau, Frauenquote, Kampf gegen Rechtsextremismus in Sportvereinen, Zustände in der Pflege. Kein gesellschaftliches Thema, bei dem sie nicht mitredet.

          Wer ist die Frau, ohne die in Deutschland nichts geht?

          Franziska Giffey, pinkes Kleid, schwarzer Blazer, Perlenohrringe, sitzt in der Mitte eines halbrunden Stuhlkreises. Um sie herum etwa 20 Jungs, typische Mittelstufen-Schüler: ein wenig verdruckst, ein wenig frech, ein wenig schüchtern. Beim Boys‘ Day sollen Geschlechterklischees bei der Berufswahl durchbrochen werden. Eben hat die Leiterin des Berliner Kinder- und Jugendkulturzentrums Alte Feuerwache über die Freuden und Probleme des Erzieherberufs berichtet. Jetzt ist Giffey dran. „Darf ich was sagen?“, fragt sie höflich. Und dann: „Bevor ich euch was von der großen Politik erzähle, würde ich gerne eine Runde machen. Sagt mir, wie ihr heißt und was ihr werden wollt. Was gebt ihr mir mit?“

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          Etwa 20 Jungs stellen sich vor. Sie heißen Xaver, Chris, Morten und Maik, sie wollen Arzt werden, Profifußballer oder Kfz-Mechaniker. „Kfz-Mechaniker ist mein Bruder auch“, sagt Giffey. „Da muss man richtig gut sein.“ Als ein Junge sagt, dass er Kriminalpolizist werden möchte, freut sie sich: „Das ist gut! Davon brauchen wir viele.“ Giffey stellt Nachfragen, kann sich an die Namen erinnern und die Berufswünsche. Sie kitzelt heraus, dass den Jungs das Geld wichtig ist – und der Erzieherberuf da gar nicht erst in Betracht kommt. Eine altbekannte Tatsache, natürlich: Erzieher verdienen zu wenig. Giffey verspricht, das zu ändern. Wie so viele vor ihr. Trotzdem wird der Vorstand des Jugendzentrums, Peter Ogrzall, später über sie sagen, dass sie anders sei als die meisten Politiker: „Natürlich und ehrlich interessiert.“

          Einige Tage zuvor. Franziska Giffey besucht die Altenpflege-Schule im Berliner Johannesstift. Giffey, dieses Mal im dunkelroten Kleid mit kleinen Perlen im Haar, gibt jedem einzelnen Schüler die Hand. Sie spricht ein paar freundliche Worte, dann sagt sie: „Aber ich will nicht lange reden.“ Das sagen Politiker oft, und dann reden sie weiter, weil sie sich nun einmal gerne reden hören. Franziska Giffey dagegen hört tatsächlich auf. Sie lässt sich vom Pflegealltag erzählen, macht Notizen. Was sie aus dem Gespräch zieht, ist nichts Neues: Ambulante Pflege muss der stationären gleich gestellt werden, es braucht mehr Geld, mehr Personal, mehr Zeit. Aber alle haben das Gefühl, dass Giffey wirklich interessiert ist. Sie selbst nennt es ihr „Geheimrezept“: „Zuhören und mein Handeln davon ableiten.“

          Die Überraschung unter den SPD-Ministern

          Die gebürtige Ostdeutsche Franziska Giffey war die Überraschung unter den SPD-Ministern. Sie hatte nicht einmal ihre erste Amtszeit als Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln hinter sich. Zuvor war sie Europabeauftragte ihres Bezirks. Sie arbeitete in Brüssel und Straßburg und promovierte zum Thema „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“. Giffey ist gerade erst 40 Jahre alt geworden. Ihr Vorgänger – Neuköllns Haudrauf-Bürgermeister Heinz Buschkowsky – hat sie früh entdeckt und gefördert.

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