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Özdemir zum Halle-Prozess : „Ich will etwas über den Täter lernen“

Cem Özdemir (Grüne) in Magdeburg Bild: dpa

Warum er am Prozess gegen den mutmaßlichen Halle-Attentäter als Beobachter teilnimmt und wie man Radikalisierung im Netz verhindern kann, erklärt Cem Özdemir im Interview.

          3 Min.

          Sie haben als Beobachter im Strafprozess gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle, Stephan B., in Magdeburg teilgenommen. Welche Erkenntnisse haben Sie mitgenommen?

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Ich will die Opfer, deren Angehörige und die Nebenklägerinnen und Nebenkläger unterstützen und mich mit ihnen solidarisieren, auch später, wenn die Öffentlichkeit nicht mehr so stark auf diesen Prozess schaut. Mit einigen konnte ich mich beim Prozessauftakt bereits austauschen. Ich bin zweifacher Vater, ich bin Sozialpädagoge, und ich bin Politiker, und deshalb will ich auch etwas über den Täter lernen. Wir müssen eine Kultur des Hinschauens entwickeln, dazu müssen wir aus einem solchen Fall lernen und versuchen, den Radikalisierungsprozess vollständig nachzuvollziehen. Es ist erschütternd, aber ich fürchte, es gibt in Deutschland zu viele Fanatiker, die sich zu Hause im Internet an Gewaltphantasien, Rassismus und Frauenhass berauschen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen und glauben, im Namen eines imaginären Volkswillens zu handeln, und die irgendwann sagen, wenn niemand anderer einen Anschlag macht, dann schlage ich jetzt los.

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