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OECD-Bildungsstudie : Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bleiben

Leistungen nähern sich an, Einstellungen nicht: Mädchen und Jungen einer Schulklasse in Brandenburg Bild: dpa

Wenn Mädchen und Jungen nach ihrer Einstellung gegenüber Mathematik und Naturwissenschaften gefragt werden, gehört Deutschland zu den Ländern mit den größten Geschlechterunterschieden. Das berichtet die internationale Bildungsorganisation OECD. Aber es gibt auch Zeichen für einen Wandel.

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          An der traditionellen Einteilung in mathematikbegeisterte Jungen und lesefreudige Mädchen hat sich in Deutschland bisher offenbar wenig geändert. Mädchen haben nach wie vor weniger Interesse und Selbstvertrauen, wenn es um mathematische Fragen geht, Jungen haben bis ins Jugendlichenalter Defizite in der Lesekompetenz. Zu diesem Ergebnis kommt eine OECD-Studie, die vor allem nach den Einstellungen von Kindern und Jugendlichen zu den mathematisch-naturwissenschaftlichen beziehungsweise sprachlichen Fächern fragte.

          Susanne Kusicke

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Für die Studie, die an diesem Mittwochvormittag in Berlin und London vorgestellt worden ist, wurden Daten der Pisa-Studie 2012 und der Erwachsenenkompetenzstudie Piaac aus dem Jahr 2013 ausgewertet. Die Zahlen sind also nicht neu, der Fokus auf die Einstellungen zu diesen Fächern aber schon. So geht aus dem Bericht hervor, dass Mädchen und Jungen im Pisa-Test Naturwissenschaften zwar annähernd gleiche Leistungen erbracht haben, im OECD-Schnitt aber weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren später auch in einem sogenannten Mint-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) arbeiten wolle. Bei den Jungen seien es dagegen vier von 20 Befragten. In Deutschland gäben trotz ähnlicher Leistungen viele Mädchen an, sie hätten „Angst vor Mathe“ und sie seien darin „nicht so gut“.

          Mathematik bleibt in Deutschland eine Jungendomäne: Mädchen trauen sich laut OECD noch immer zu wenig zu

          Aus den Interessen, die die Jugendlichen im Alter von 14, 15 Jahren formulieren, wird später aber oft auch die Berufswahl. Während Jungen als „Spätzünder“ ihre Lesedefizite spätestens mit der Ausbildung schlagartig aufholen und ausbauen, komme es bei den Mädchen im mathematischen Bereich später kaum zu einer solchen Aufholjagd, sagte die Sprecherin des deutschen OECD-Büros, Antonie Wiegand, gegenüber FAZ.NET. „Im Pisa-Alter wird oft schon der Berufswunsch festgelegt. Das führt dazu, dass Mädchen schlechter bezahlte Berufe ergreifen, weniger Lohn erhalten und weniger in die Rentenkasse einzahlen. Hier bleiben also nicht nur Potentiale ungenutzt, sondern es werden auch ganz konkrete ökonomische Nachteile für Frauen produziert und aufrechterhalten.“

          Der Nutzen von Videospielen

          Dahinter steht die Frage, ob diese Unterschiede gesellschaftlich geprägt sind oder nicht. Aus Sicht der OECD ist die Antwort klar: Da sich in den bildungsstärksten, den asiatischen Ländern kaum Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen feststellen lassen, müssen diese Unterschiede in Deutschland gesellschaftlich bedingt sein. „Offenbar vermitteln Eltern und auch Lehrer Mädchen immer noch unbewusst, dass mathematische Fertigkeiten für sie nicht ganz so wichtig seien“, so Antonie Kerwien.

          Es gibt aber auch Lichtblicke: „In jüngster Zeit sehen wir in Deutschland mehr Studienanfängerinnen in naturwissenschaftlichen Fächern. Das geht zwar aus von einem niedrigen Niveau, aber die Kurve zeigt deutlich nach oben.“ Umgekehrt werde in den Schulen oft noch nicht genug auf die Leseinteressen von Jungen geachtet. „Jungen brauchen nun einmal andere Lesestoffe als Mädchen, und interessanterweise hat man auch festgestellt, dass Jungen in Computersettings oft gar nicht schlecht lesen.“ Ein „gemäßigter Konsum“ von Videospielen könne die digitalen Lesekompetenzen also durchaus verbessern, heißt es dazu in dem OECD-Bericht.

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