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Odenwaldschule : Von Hentig wollte Missbrauchsskandal „aussitzen“

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Reformpädagoge von Hentig wollte den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule „aussitzen”
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          Im Fall des vielfachen sexuellen Missbrauchs von Schülern an der hessischen Odenwaldschule hat der Erziehungswissenschaftler und Reformpädagoge Hartmut von Hentig intern für ein „Aussitzen“ des Skandals plädiert. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) in ihrer Ausgabe vom 19. Dezember unter Berufung auf Briefe Hentigs vom Frühjahr des Jahres, die der Zeitung vorliegen. So hat Hentig am 14. Mai 2010 in einem Brief an den Sohn eines Weggefährten geschrieben: „Meine (nicht leicht einzuhaltende) Strategie: aussitzen“. In vier Jahren könne man dann „in Ruhe auf all dies zurückblicken und 'lernen' - oder wir haben einen neuen Fundamentalismus, der auch die letzten Regungen der Aufklärung beseitigt“, schreibt Hentig weiter.

          In dem Brief schreibt Hentig auch von der „Schädlichkeit von Frau Kaufmann“, der derzeitigen Leiterin der Odenwaldschule, „für die Schule, für die Pädagogik, für die Sache der Opfer“. Die beiden Juristinnen, die Aussagen betroffener Altschüler gesammelt und ausgewertet haben, heben dagegen in ihrem jetzt veröffentlichten Abschlußbericht hervor, dass der „eindeutige Aufklärungswille“ der Schule in der Person der Schulleiterin Margarita Kaufmann verkörpert sei.

          Hentig war Freund und Lebensgefährte des im Juli 2010 verstorbenen Haupttäters an der Odenwald-Schule, Gerold Becker, der die Schule von 1972 bis 1985 leitete. In einem zweiten Brief, den er im April 2010 einem geschlossenen Kreis übermittelte, verteidigte Hentig den ehemaligen Schulleiter. Er habe „seine Einfühlsamkeit, seine Phantasie und seine immense Kenntnis für die Odenwaldschule eingesetzt“. Hätte er früher von Beckers Taten gewusst, so hätte er ihn „mit aller Kraft meiner Freundschaft dazu gebracht“, die Opfer um Entschuldigung zu bitten und die Schule zu verlassen. Dies hätte er nicht nur um „der tatsächlichen und der möglichen“ Opfer getan, sondern auch um Beckers „willen: um so leidvollen Spannungen, möglichen Erpressungen und dem Verlust seines Ansehens in der Pädagogik zu entgehen“. Dass Becker bis zuletzt nicht über seine Taten offen geredet habe, sei, wenn überhaupt, „ein taktischer“ Fehler gewesen.

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