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Odenwaldschule : Neuer Verdacht gegen entlassenen Lehrer

Die Odenwaldschule im hessischen Heppenheim Bild: dpa

Gegen einen vor kurzem entlassenen Lehrer der Odenwaldschule gibt es neue Vorwürfe: Ein Schüler soll mehrmals in seiner Wohnung gewesen sein. Die Schüler nannten ihn „Pädo“. Auch aus einem Zeltlager in Südfrankreich wird Merkwürdiges berichtet.

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          Die Leitung der Odenwaldschule hat von neuen Vorwürfen gegen den entlassenen Lehrer erfahren, der den Besitz von Kinderpornos gegenüber der Staatsanwaltschaft zugegeben hatte. Laut Staatsanwaltschaft geht es um einen Schüler, der sich angeblich häufig in der Wohnung des 32 Jahre alten Lehrers aufgehalten hat, und um einen mutmaßlichen Übergriff in einem Zeltlager, von dem die Schüler erst jetzt Genaueres berichteten. Darunter sollen auch Schüler sein, die nicht mehr an der Schule sind.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, die auch wegen des kinderpornographischen Materials ermittelt, bestätigte, dass es Hinweise gebe, bei denen nun zu klären sei, ob die von den Schülern genannten Fakten die von der Schule aufgestellten Regeln verletzten und ob sie strafrechtlich relevant seien.

          Fortbildung zum Thema Grenzverletzungen

          Bei einer Klassenfahrt mit Zeltlager in Südfrankreich waren den Berichten nach alle Einzelzelte nass geworden, so dass die begleitenden Lehrer und die Schüler in einem großen Zelt gemeinsam übernachteten. Dabei soll sich der beschuldigte Lehrer zwischen die Schüler gelegt haben. Die damalige Schul- und Heimleitung soll den Hinweisen nachgegangen sein und die Schüler eindringlich befragt haben, von Übergriffen war ihr jedoch nichts berichtet worden. Allerdings wurde der Lehrer zu einer Fortbildung zum Thema Grenzverletzungen geschickt.

          Aufmerksam geworden war man auf das merkwürdige Verhalten des jungen Mathematiklehrers nicht nur wegen der Schülerberichte, sondern auch wegen eines Spottnamens, den Schüler gerufen haben sollen, wonach der betroffene Lehrer „Pädo“ sei. Am Dienstag hatte die Schulleitung den Landrat des Kreises Bergstraße und die Schulamtsleiterin über den neuen Verdacht gegen den Beschuldigten informiert. Bei einem Krisengespräch wurde eine intensivere Zusammenarbeit mit Jugendamt und Schulamt vereinbart.

          Die Schule muss in Zukunft monatlich einen Bericht abgeben. Das entlaste die Schule auch, sagte die Präventionsbeauftragte Regina Bappert. Außerdem soll das Präventionskonzept der Schule gemeinsam mit externen Fachleuten überprüft und weiterentwickelt werden, wobei die Rolle der Präventionsbeauftragten und der Ombudsleute gestärkt werden soll. Bis zum 1. Oktober sollen die Reformen eingeleitet sein.

          Aus Furcht vor Schulschließung geschwiegen

          Für die Schüler sei es nicht leicht, Grenzverletzungen überhaupt zu erkennen und dann noch darüber zu reden, sagte Bappert der F.A.Z. Sie müssten einerseits dem Druck ihrer Mitschüler standhalten, die sich möglicherweise darüber mokieren, dass ein Lehrer angeschwärzt werde, aber auch den Solidaritätsbekundungen anderer Lehrer gegenüber einem Kollegen. Am stärksten zum Schweigen gebracht habe sie allerdings schon immer die Drohung, die Schule werde geschlossen.

          Das sei schon in den siebziger Jahren während des großen Missbrauchsskandals so gewesen. Die Schüler hätten damals geschwiegen, weil sie befürchteten, nach Hause zurückzumüssen und ihre Freunde zu verlieren. Hätten sie damals geredet, wäre der massenhafte Missbrauch durch den ehemaligen Schulleiter Gerold Becker und andere Lehrer viel früher bekanntgeworden.

          Vertrauenserklärung der Eltern

          Entschieden abgelehnt hat der Elternbeirat nach einer nächtlichen Sitzung die Schließung der Odenwaldschule. Eine derartige Entscheidung würde die aktuellen Schüler zu Opfern machen. Die ganz besondere pädagogische Leistung der Schule, „die so vielen Schülern eine zweite Chance, Selbstvertrauen und einen besseren Start in die Zukunft ermöglicht hat“, sei der Grund, ihren Kindern den Besuch dieser Schule zu ermöglichen.

          „Sexuelle Grenzüberschreitungen sind leider an keinem Ort, wo Kinder mit Erwachsenen zusammenkommen ganz auszuschließen“, so heißt es in der Erklärung der Eltern. Sie vertrauten der Schule ihr höchstes Gut, die eigenen Kinder, an und sie täten das nicht leichtfertig. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass unsere Kinder an der OSO mindestens genau so sicher – eher noch sicherer – vor Übergriffen sind, wie sie dies an anderen Einrichtungen wären“, schreiben die Eltern weiter.

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