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Razzia bei Frankfurt : Hessischer Innenminister: Terroranschlag verhindert

Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung arbeiten nach den Festnahmen vor einem Wohnhaus in Oberursel. Bild: Helmut Fricke

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat in Oberursel bei Frankfurt ein Ehepaar festgenommen und eine fertige Bombe und ein Sturmgewehr sichergestellt. Damit wurde offenbar ein islamistisch motivierter Terroranschlag verhindert.

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          Der hessische Innenminister Peter Beuth hat in einer Erklärung vor dem Landtag in Wiesbaden bestätigt, dass durch die Festnahme eines Ehepaars in Oberursel bei Frankfurt vermutlich ein Terroranschlag verhindert werden konnte. Es gebe den Verdacht auf einen salafistischen Hintergrund, sagte der CDU-Politiker. Anschlagsplanungen hätten stattgefunden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Nacht zum Donnerstag hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei gegen 23.30 Uhr in Oberursel bei Frankfurt zwei Personen festgenommen. In der Wohnung der Verdächtigen in der Hohemarktstraße fanden die Beamten mehrere Waffen, unter anderem eine Rohrbombe samt Zünder und ein Sturmgewehr. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

          Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gibt es allerdings keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne, wie der stellvertretende Behördenchef Stefan Rojczyk sagte. Ein 35 Jahre alter Mann und eine 34 Jahre alte Frau seien festgenommen worden. Der Mann sei deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, die Frau Türkin. Der Mann habe vor Jahren Verbindung zu der Terrorzelle „Sauerland-Gruppe“ gehabt, die 2007 Anschläge geplant hatte. Ob es aktuelle Verbindungen zur Salafisten-Szene gebe, sei unklar.

          Der Fund der Bombe deute auf mögliche Anschlagsabsichten hin, aber von konkreten Plänen sei nichts bekannt. Die Durchsuchungsaktion sei präventiv gewesen. Am Freitag seien zahlreiche Veranstaltungen mit viel Publikum in der Region geplant, deshalb hätten die Behörden schnell gehandelt.

          Sprengsätze an der Radrennstrecke? Polizisten laufen eine Straße an der Hohen Mark in Oberursel ab.

          Aus Kreisen der Sicherheitsbehörden wird nicht ausgeschlossen, dass das traditionelle Radrennen, das am Freitag durch Frankfurt, Oberursel und den Taunus führt, ein Ziel gewesen sein könnte. Wie weiter zu hören ist, hätte ein solcher Anschlag die Dimension des Terroraktes auf den Boston Marathon vor zwei Jahren annehmen können.

          Die Veranstalter des internationalen Radrennens rechnen trotz des Bombenfundes nicht mit einer Absage. „Ich sehe im Moment keine Gefährdung des Rennens“, sagte Veranstalter Bernd Moos-Achenbach am Donnerstag.

          Verdächtige schon länger im Visier der Ermittler

          Wie mehrere Nachbarn im Gespräch mit FAZ.NET berichteten, war das tatverdächtige Ehepaar äußerlich deutlich als strenggläubige Muslime erkennbar. Während sich die Frau mit einer Burka vollständig verhüllt habe, sei der festgenommene Mann kahlgeschoren gewesen und habe einen Vollbart getragen. Das Paar wohnt in einem Häuserblock, der zu dem früheren amerikanischen Militärstützpunkt Camp King gehört. Das Wohngebiet ist nicht als sozialer Brennpunkt oder eine Gegend mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil bekannt. 

          Bisher wird das Ermittlungsverfahren gegen die beiden Verdächtigen noch vom Polizeipräsidium Westhessen geführt, das Landeskriminalamt ist jedoch involviert. Am Nachmittag soll es zu dem Fall eine Pressekonferenz geben.

          Nach Informationen von FAZ.NET prüfen die Behörden derzeit eine Verbindung in salafistische Kreise. Fest stehe jedoch, dass beide Verdächtige schon seit Jahren als Islamisten im Fokus der Polizei standen, wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist. Inwiefern das Ehepaar darüber hinaus mit Syrien-Ausreisenden oder auch mit der salafistischen Kampagne „Lies“ in Verbindung gestanden habe, müsse nun geklärt werden.

          Wie von den Behörden weiter zu hören ist, wurde das Ehepaar in jüngster Zeit verschärft beobachtet, unter anderem auch deshalb, weil es größere Mengen Wasserstoffperoxid in einem Baumarkt gekauft hatte. Die Chemikalie kann als Basis für Sprengstoff verwendet werden. Peroxid-basierte Sprengstoffe sind bei Terroristen beliebt, weil die Zutaten relativ leicht zu beschaffen sind. So hatten die drei 2007 festgenommenen sogenannten „Sauerland-Terroristen“ damit begonnen, aus mehr als 700 Litern Wasserstoffperoxid Autobomben zu bauen.

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