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Oberbürgermeisterwahl : Petra Roth und ihre Schattengegner

Roth erwähnt Herausforderer Frey nicht einmal Bild: dpa

In weniger als zwei Wochen wählt Frankfurt am Main sein Stadtoberhaupt. Ein Wahlausgang zu Gunsten der amtierenden Oberbürgermeisterin Roth gilt schon jetzt als sicher. Doch das liegt vor allem an der Schwäche ihrer Gegenkandidaten.

          4 Min.

          Den Namen ihres Herausforderers nannte sie kein einziges Mal. Als Petra Roth (CDU) im November von ihrer Partei als Kandidatin für die Direktwahl des Stadtoberhaupts nominiert wurde, sagte die Frankfurter Oberbürgermeisterin in ihrer Rede viel Allgemeines, wenig Konkretes - und nichts über Franz Frey von der SPD. Ob sie ihn gar nicht mehr fürchtet, den vermeintlich stärksten Gegner auf dem Weg zu einer dritten Amtszeit im Frankfurter Römer?

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer in diesen Tagen in Frankfurt unterwegs ist, hört einen Satz immer wieder: „Die Sache ist doch klar.“ Zu groß scheint der Vorsprung Frau Roths, zu farblos wirken bislang die neun anderen Kandidaten, von denen nur Frey überhaupt eine Chance haben dürfte, die Zweiundsechzigjährige nach zwölf Jahren von der Spitze der größten Stadt Hessens zu verdrängen.

          Schweigen zu kontroversen Themen

          Die übrigen Konkurrenten - vier unabhängige Bewerber, ein Kandidat der Linken/WASG, einer von den Freien Wählern sowie zwei Damen aus den Reihen der Republikaner und der NPD - sind bloß Randfiguren in einem bisher faden Wahlkampf. Dass einer von ihnen am 28. Januar eine Stichwahl gegen Frau Roth erreichen könnte, gilt als ausgeschlossen.

          Das Plakat bringt SPD-Mitglieder angeblich zum weinen: „Hundedompteur” Frey

          Und so bewegt sich die Amtsinhaberin seit Wochen möglichst wenig, um ihren Nimbus als Favoritin nicht zu gefährden. Kontroverse Themen wie die künftige Bebauung des Altstadtareals oder den Streit um den Denkmalschutz an der Frankfurter Großmarkthalle, der die Europäische Zentralbank rätseln ließ, ob es richtig war, ihren Hauptsitz demnächst dorthin zu verlegen, überlässt Frau Roth so lange wie möglich anderen: den Spitzenpolitikern der schwarz-grünen Koalition.

          Dieses Bündnis, das Frankfurt seit Mai 2006 regiert, wird von Frau Roth gelobt, wo es nur geht. Wenn die Zusammenarbeit weiterhin so gut funktioniere, könne sich sich vorstellen, „dass es über 2011 hinausgeht“, verkündete sie kürzlich; dann sind wieder Kommunalwahlen in Hessen. Noch vor einem Jahr gehörte eine Zusammenarbeit mit der einstigen Umweltpartei nicht gerade zu ihren Lieblingsthemen.

          Klare Umfragewerte

          Frau Roths Lob ist teilweise berechtigt. Die Fraktionen von CDU und Grünen haben in den ersten Regierungsmonaten manches erledigt, was lange liegengeblieben war. Sie einigten sich zum Beispiel auf eine Umgestaltung der Haupteinkaufsstraße Zeil, führten einen freiwilligen Polizeidienst ein, um die Stadtteile sicherer zu machen, und senkten den Hebesatz der Gewerbesteuer um 30 auf 460 Punkte. Lobt Petra Roth die Koalition, lobt sie letztlich sich selbst: Als Oberbürgermeisterin steht sie an der Spitze des schwarz-grünen Magistrats.

          Da haben es die anderen Kandidaten schwer. Die Zahlen zeigen es. Nach einer repräsentativen Umfrage des Mannheimer Instituts Ipos von Dezember wollen von denjenigen Bürgern, die sich schon entschieden haben, 73 Prozent für Frau Roth stimmen. Von Frey sind nur 25 Prozent angetan; für den Vertreter der Freien Wähler, Wolfgang Hübner, wollen knapp zwei Prozent der Entschiedenen votieren. Die CDU bemüht sich seitdem, den Eindruck zu zerstreuen, die Wahl sei gelaufen: Eine Umfrage sei nur eine Umfrage, heißt es.

          Unsicherheiten bei Sachfragen

          Die gebürtige Bremerin Roth liegt auch deshalb so weit vorn, weil die anderen so schwach sind. Als Repräsentantin ist sie zwar nach wie vor auffallend gut - mit der Einschränkung, dass die Wertschätzung wächst, je weiter die Beobachter von Frankfurt entfernt sind. Doch wenn es um Sachfragen geht, verwechselt sie schon einmal die langfristigen Schulden mit dem kumulierten Defizit und einen Magistratsbericht mit einem Koalitionsantrag.

          Vielleicht hat Franz Frey schon resigniert. Wenn nicht, könnte er noch einmal mit seinem Parteifreund Joachim Vandreike sprechen. Der war 2001 ebenfalls gegen Frau Roth angetreten, und auch damals sagten die Umfragen einen klaren Sieg voraus; im ersten Wahlgang schaffte Vandreike dann 34,6 Prozent der Stimmen und zwang die Amtsinhaberin in eine Stichwahl, in der er mit 46,9 Prozent knapp unterlag. „Es hat geklappt“, kommentierte Petra Roth den zweiten Wahlgang damals ziemlich erleichtert.

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