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OB-Wahl in Greifswald : Großes linkes Bündnis gegen die CDU

Kanzlerin Merkel bei der Wahlkampfhilfe in Greifswald. Bild: dpa

Im vorpommerschen Greifswald wird am Sonntag ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Gegen den Kandidaten der CDU gibt es einen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Linkspartei, Grünen und Piratenpartei. Das könnte ein Signal für die nächste Landtagswahl sein.

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          Ein ganz großes Linksbündnis versucht derzeit im vorpommerschen Greifswald, die Vorherrschaft der CDU im Rathaus zu brechen. SPD, Linkspartei, Grüne und die Piratenpartei haben sich geschlossen hinter einen gemeinsamen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am kommenden Sonntag gestellt. Und der Kandidat ist auch noch ein Grüner: Stefan Fassbinder. Fassbinder ist geborener Münchener und kam als Historiker vor 15 Jahren nach Greifswald an das Pommersche Landesmuseum. Seit 2009 sitzt er in der Bürgerschaft, seit 2013 ist er grüner Fraktionsvorsitzender.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die CDU, die seit 1990 den Oberbürgermeister stellt, ist in Unruhe, erkennbar unter anderem daran, dass die CDU-Vorsitzende, Kanzlerin Angela Merkel, selbst in den Wahlkampf eingriff. Greifswald gehört seit der zurückliegenden Bundestagswahl mit zu ihrem vorpommerschen Wahlkreis. Nicht von ungefähr reiste sie gerade jetzt zu Wahlkreisterminen an, und dann sprach sie auch noch auf einer Wahlkampfveranstaltung. Dabei hat die CDU einen guten Kandidaten, der das Rathaus seit mehr als zwei Jahrzehnten kennt: der 50 Jahre alte Jörg Hochheim.

          Hochheim ist stellvertretender Oberbürgermeister und Baudezernent. Er hat aus Greifswalder Sicht nur einen Nachteil: Er stammt aus dem benachbarten Stralsund. Lange Zeit schien es, als würde Hochheim sogar der einzige Kandidat bleiben, um die Nachfolge von Arthur König anzutreten. König kandidierte mit 64 Jahren nach zwei Amtszeiten mit jeweils souveränen Ergebnissen nicht noch einmal. Aber dann fanden sich doch noch zwei andere Kandidaten, eben Fassbinder mit seinem großen Bündnis und der Student Björn Wieland, der eine Satirepartei vertritt und den albernen Vogel im Wahlkampf gab.

          Greifswald hat erst vor vier Jahren seine Eigenständigkeit verloren. Das hängt mit der Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern zusammen, einer Antwort auf den anhaltenden Einwohnerverlust des Landes. Greifswald gehört seitdem zum Landkreis Vorpommern-Greifswald, dessen Landrätin Barbara Syrbe Mitglied der Linkspartei ist.

          Wie sehr die nicht sehr kampfstarke CDU in Mecklenburg-Vorpommern bei solchen scheinbar sicheren Wahlen aufpassen muss, zeigte erst jüngst der Fall Neubrandenburg. In der drittgrößten Stadt des Landes regierte unangefochten Paul Krüger als Oberbürgermeister, unter Kanzler Kohl eine Zeit lang Bundesminister. Die CDU zerstritt sich, als es um Krügers Nachfolge ging. Am Ende machte der parteilose Silvio Witt das Rennen, der als Journalist und Kabarettist in der Stadt unterwegs war und deshalb sehr bekannt ist. So etwas kann in Greifswald zwar nicht passieren, aber sollte dem großen Linksbündnis die Überraschung gelingen, dass ihr Kandidat gewinnt, gäbe es abermals Diskussionen über ein Zusammengehen von SPD, Grünen und Linkspartei. Es wäre zumindest ein Signal für die Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern.

          Die SPD unter ihrem Vorsitzenden, Ministerpräsident Erwin Sellering, muss sich zwar keine Sorgen machen, dass die Linkspartei wie in Thüringen stärker werden könnte. Aber wer dann Koalitionspartner würde, ist offen. Unvergessen ist, dass 1998 in Schwerin die erste rot-rote Koalition gebildet wurde, die bis 2006 hielt. Dass die CDU seitdem mit in der Regierung sitzt und Koalitionsdisziplin üben muss, hat sie nicht gestärkt. Die Hansestadt Greifswald mit ihren 56.000 Einwohnern gehört zu den klaren Gewinnern der deutschen Einheit. Es ist einer jener deutschen Städten, die keine Universität haben, sondern eine Universität sind. Die Universität hat sich seit 1990 großartig entwickelt. Das Klinikum gilt als einer der modernsten Krankenhäuser in Deutschland.

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