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Nürburgring : Ein Ring, sie zu knebeln

  • -Aktualisiert am

Blick auf einen Rennwagen beim Training für das VLN-Langstreckenrennen Bild: Röth, Frank

Nürburg ist umschlossen vom Nürburgring, das kleine Dorf lebt von der Rennstrecke in der Eifel. Die Insolvenz macht die Nürburger sauer. Sie wissen nicht recht, wie es weitergehen soll.

          Die Bratwürste am Imbiss „Box 77“ kurz vor dem Fahrerlager gehen gut weg. Die Vorbereitung für das Langstreckenrennen Barbarossa-Cup auf dem Nürburgring läuft. Eine Wurst gehört für die meisten Besucher zum Rennen dazu wie Motorendröhnen und quietschende Reifen. „Wir machen das seit 20 Jahren“, sagt die Dame hinter dem Tresen. „Und wir machen ein gutes Geschäft.“

          Der Ring sei schließlich eine Institution und weltberühmt dazu. „Die schönste Rennstrecke der Welt.“ Nur „da drüben“, da sei gar nichts, sagt sie. Und das „da drüben“, das wollten die Leute auch nicht. „Die wollen Autos, Boxengasse und Bratwurst - mehr nicht.“

          „Da drüben“ ist auf der anderen Seite des Rings. „Da drüben“ sind der Ringboulevard, die Veranstaltungshalle, Hotels und ein Casino sowie das aus dem Boden gestampfte Eifeldorf „Grüne Hölle“ mit Cafés und Restaurants. „Da drüben“ ist das Problem.

          Die Fronten sind verhärtet

          2007 wurden eine alte „Erlebniswelt“ sowie ein Parkplatz abgerissen und eine Tribüne gesprengt. Bis 2009 wurde nicht nur eine neue Tribüne errichtet, sondern auch Veranstaltungsräume, Hotels, Gastronomiebetriebe, ein Kino, eine „Driving Academy“ und vieles mehr. Je nach Quelle wurden dort bis zu 350 Millionen Euro an Steuergeldern verbaut. Der damals federführende Finanzminister Ingolf Deubel (SPD), von Ministerpräsident Kurt Beck einst als „hochkompetent“ bezeichnet, ist mittlerweile zurückgetreten; der frühere Geschäftsführer der zu 90 Prozent landeseigenen Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, war schon 2009 entlassen worden.

          Die Nürburgring GmbH hat etwa 400 Millionen Euro Schulden angehäuft und ist insolvent. Der Geschäftsführung wurden der Rechtsanwalt Jens Lieser als Sachwalter und der Rechtsanwalt Thomas B. Schmidt als Sanierungsgeschäftsführer zur Seite gestellt; sie überwachen die Geschäfte. Die Gesellschafter der privaten Betreibergesellschaft am Ring, Jens Lindner und Kai Richter, wollen sich nicht vor Ende ihres Pachtvertrages im Jahr 2040 zurückziehen. Das Land hat eine Räumungsklage erhoben. Die Fronten sind verhärtet.

          Die „Grüne Hölle“ ist ausgestorben

          Ministerpräsident Beck musste sich im Mainzer Landtag einem Misstrauensantrag stellen, die CDU hatte diesen wegen des Finanzdebakels am Ring eingebracht. Am 16. Oktober begann vor dem Landgericht Koblenz der Prozess gegen Deubel und Kafitz und weitere ehemalige Mitarbeiter der Nürburgring GmbH.

          Der Weg von der „Box 77“ zum Ringboulevard, nach „da drüben“ also, führt durch die Boxengasse. Hier wimmelt es nicht nur von Fahrern und Mechanikern; ganze Familien haben, nach dem Durcheinander von Sprachen zu urteilen, weite Wege auf sich genommen. Zwei Studenten, die für ein Rennsportteam arbeiten und auf den nächsten Boxenstopp eines ihrer Wagen warten, deuten in Richtung Ringboulevard und sagen: „Nebenan ist wieder alles leer. Die Leute wollen gucken und Bratwurst essen und nicht drüben auf dem Boulevard oder im Eifeldorf sein, wo nichts ist.“

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