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Nürburgring : Die grüne Hölle heiß machen

  • -Aktualisiert am

Die Opposition will eine Rückbesinnung auf den Rennsport am Nürburgring Bild: Röth, Frank

Die EU soll den Nürburgring retten. Damit das gelingt, will Oppositionsführerin Julia Klöckner die nationale Bedeutung des Rings zeigen. Alle wollen die Rückbesinnung auf den Rennsport.

          2 Min.

          Als der scheidende Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), am Dienstag mit seinem Kabinett einen Spaziergang im Westerwald machte, entging ihm eine Provokation seiner CDU-Gegenspielerin Julia Klöckner. Zwei Tage vor Beginn des offiziellen Insolvenzverfahrens gegen die Nürburgring GmbH besetzte die Oppositionsführerin wie selbstverständlich Becks Platz auf der Regierungsbank im Mainzer Landtag. Von dort aus folgte sie in nachdenklicher Pose der von ihr organisierten „Nürburgring Motorsportkonferenz“. Statt ein weiteres Mal bissig das Versagen Becks anzuprangern, zeigten sich Julia Klöckner und die CDU als konstruktive Kümmerer, die der traditionsreichen Rennstrecke in der Eifel helfen wollen.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Konkrete Vorschläge, wie es nun am Ring weitergehen soll, hatten Julia Klöckner und ihre Gäste zwar nicht parat. Beschworen wurde stattdessen die Rückbesinnung auf den Motorrennsport als Kerngeschäft des Nürburgrings. Der Motorsportpräsident des ADAC, Hermann Tomcyzk, schwelgte in Erinnerung an die „Generationen“ von Rennfahrern wie Jacky Ickx, Niki Lauda und Jackie Stewart, welche die „grüne Hölle“ in der Eifel zur Legende machten. „Es ist eine Rennstrecke mit einer Einzigartigkeit, die es auf der ganzen Welt nicht gibt. Der Nürburgring ist ein Stück deutschen Kulturguts“, sagte Tomcyzk.

          Neue Einsatzmöglichkeiten für die Strecke

          Der Leiter des Motorsports beim Autokonzern Mercedes-Benz und Veteran im Formel-Eins-Zirkus, Norbert Haug, lobte den „Testbetrieb“ am Ring für neue Fahrzeugmodelle: „Damit kann man Geld verdienen.“ Den innigen Wunsch der deutschen Autoindustrie, dort neue Bremssysteme und Sicherheitstechnik zu testen, bestätigte auch der Sprecher des mächtigen Verbandes der Automobilindustrie, Eckehart Rotter. „Die Industrie will den Nürburgring. Aber sie wird ihn nicht um jeden Preis halten können.“ Kein Geld vom ADAC und Autokonzernen für den Nürburgring, aber viel Lobbyarbeit für eine „privilegierte Behandlung“ der Rennstrecke bei der kommenden Investorenausschreibung, lautete die Botschaft der Konferenzteilnehmer.

          Das Nein der EU-Kommission zu den von Beck beantragten 13 Millionen Euro Rettungsbeihilfen hatte im Juli die Nürburgring GmbH in die Insolvenz geführt. Ein von der EU eingeleitetes Verfahren, ob die von der Landesregierung am Ring verbauten 484 Millionen Euro Steuergelder unerlaubte Beihilfen für ein unrentables Wirtschaftsprojekt ohne Infrastrukturbedeutung seien, dürfte in gut 18 Monaten abgeschlossen sein. Diese Zeit müsse endlich genutzt werden, um den EU-Beamten die nationale, wenn nicht gar europäische Bedeutung des Nürburgrings deutlich zu machen, forderte die CDU-Vorsitzende Klöckner. „Brüssel muss erkennen, dass es sich um eine nationale Angelegenheit für Deutschland handelt.“ Wenn Brüssel bei der Ausschreibung für die Nürburgring-Immobilien allein den Kaufpreis als entscheidend betrachte, könne auch ein „russischer Oligarch“ zum Zuge kommen, dem die wirtschaftliche und historische Einbindung der Rennstrecke in die Eifelregion gleichgültig sei, sagte Frau Klöckner.

          Jahrelangen Rechtsstreit vermeiden

          Bevor eine Ausschreibung möglich ist, müssen die Insolvenzverwalter in Verhandlungen die ungeliebten Pächter des Nürburgrings loswerden, um die Verfügungsgewalt über die Liegenschaften wiederzugewinnen. Die Landesregierung hatte den Pächtern Kai Richter und Jörg Lindner zwar im Februar fristlos zum 31. Oktober gekündigt - doch die beiden konterten mit der Drohung eines langwierigen Rechtsstreits. „Es kommt nicht auf den einzelnen Tag an“, sagte ein Sprecher der Insolvenzverwalter. „Wir wollen verhindern, dass es zu einem jahrelangen Rechtsstreit kommt, der nur Kosten und Verunsicherung für alle Beteiligten bedeuten würde.“

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