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Nürburgring-Debakel : Das Ende einer trostlosen Geschichte

Kurt Beck, zuversichtlich strahelnd, am Nürburgring im Jahr 2009 Bild: dapd

Trotz und Selbstüberschätzung: Am Nürburgring hat sich Kurt Beck selbst demontiert. Die Schuld für die Pleite sieht er dennoch nicht bei sich. Vor drei Jahren war es Deubel, jetzt ist es die EU.

          Es war ein Tunnelblick bis zur letzten Runde, in der es Kurt Beck aus der Kurve trug. Warum es am Nürburgring dank des scheinbar ewig in Mainz regierenden „König Kurt“ fast zwangsläufig zum Totalschaden für den Steuerzahler kommen musste, zeigt der Optimismus, den Beck noch am vergangenen Wochenende zur Schau trug. „Zuversichtlich“ für die Zukunft der Rennstrecke und des Freizeitparks, der mit 330 Millionen Euro staatlich abgesicherter Kredite erbaut wurde, äußerte er sich da.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          In keiner Weise gehe er davon aus, dass eine Haushaltsrücklage des Landes von 254 Millionen Euro wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH ausfallen könnte. „Wir haben Vorsorge getroffen. Wir brauchen jetzt die Zustimmung der EU und versuchen, die Dinge neu aufzustellen.“

          Drei Tage später waren die „Dinge“ nicht „neu aufgestellt“, sondern in sich zusammengefallen. Ein kleinlauter Beck musste zugeben, dass sein Leuchtturmprojekt vor der Insolvenz steht. In den Buddenbrooks hieß das Bankrott, im Volksmund heißt es heute noch so. Das Land muss nun ironischerweise in voller Höhe das Ausfallrisiko für jene mehr als 330 Millionen Euro Kredite tragen, die eine ihm gehörende Gesellschaft für den Bau eines überdimensionierten Freizeitparks und eines Feriendorfs an der Formel-1-Rennstrecke versenkt hat.

          Der Bilanz dauerhaft geschadet

          Es ist das vorläufige Ende einer trostlosen Geschichte von Selbstüberschätzung, Trotz und Wirklichkeitsverweigerung eines führenden deutschen Politikers, der damit seine durchaus respektable Bilanz als dienstältester Ministerpräsident dauerhaft beschädigt hat. Es ist auch der Fluch einer gut gemeinten Tat, die Kurt Beck einholt. 2004 beschloss die damals noch rot-gelbe Koalition in Mainz, der dünn besiedelten Eifelregion rund um den Nürburgring etwas Gutes zu tun und gleichzeitig die Kosten von fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr für die Ausrichtung der Formel-1-Rennen auszugleichen.

          Denn der Rennzirkus-Impresario Bernie Ecclestone verlangte von der Nürburgring GmbH derart hohe Preise, dass trotz Zehntausender Besucher stets ein Verlust blieb. Mit einem Freizeitpark - neudeutsch „Erlebniswelt“ - rund um die Renntribüne, so die Idee, ließe sich ein ganzjähriger Publikumsmagnet schaffen, der Millionengewinn erwirtschaftet und dazu der Eifelregion 500 neue Jobs schenkt. „Infrastrukturmaßnahme“ nennt die Politik harmlos technokratisch solche Vorhaben, die später von der Gestaltungskraft und wirtschaftspolitischen Weitsicht der Regierenden zum Wohle des Volkes zeugen sollen.

          Windige Investoren und ein obskurer Vermittler

          Die zwei FDP-Minister in Becks Kabinett bestanden immerhin darauf, dass mindestens 50 Prozent der Bausumme von privater Seite kommen müssten, sonst sei das Projekt gestorben. Wie erwartet fanden sich keine Bank und kein Investor, die an diese riskante Geschäftsidee glaubten. Doch dann gewann Becks SPD bei der Landtagswahl 2006 die absolute Mehrheit, und Staatssekretär Ingolf Deubel wurde Finanzminister sowie Aufsichtratsvorsitzender der Nürburgring GmbH. Befreit von der FDP, nahm das Unheil am Ring seinen Lauf. „Von 2006 bis 2008 wurde dort alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte“, heißt es heute zerknirscht in der SPD.

          Der als Finanzgenie bewunderte Deubel verfolgte auf Wunsch Becks den Ausbau der Rennstrecke zur Erlebniswelt weiter und ließ sich bei der verzweifelten Suche nach Investoren auf windige Geschäftsleute und einen obskuren Schweizer Kreditvermittler ein. Der zum SPD-Bundesvorsitzenden gewählte und damit stark beanspruchte Beck vertraute Deubel blind. Auch im Kabinett zog niemand die Notbremse. Das Versprechen einer fast reinen Privatfinanzierung des schließlich auf 330 Millionen Euro Baukosten angeschwollenen Vorhabens endete im Juli 2009 mit einem Fiasko für Beck.

          Sein Vertrauter Deubel war mitten in der Finanzkrise auf einen Hochstapler hereingefallen. Die nicht gedeckten Dollarschecks platzten, statt Beck musste Deubel zurücktreten. Die überdimensionierten Bauten standen jedoch schon. Kurz vor der Landtagswahl 2011 präsentierte Beck dann zwei Unternehmer, die als Pächter des Nürburgrings so viel Pacht erwirtschaften sollten, dass damit der Kredit bedient werden konnte. Den Steuerzahler werde der Nürburgring „keinen Euro“ kosten, tönte Beck und wurde wiedergewählt. Doch nach der Wahl floss die Pacht verspätet und nur spärlich, auch weil die Besucher des Freizeitparks ausblieben.

          Nun steht die Nürburgring GmbH vor der Pleite, die EU-Kommission wollte die von Beck beantragten 13 Millionen Euro Rettungsbeihilfe nicht genehmigen. Beck aber sieht auch heute noch nicht die Hauptverantwortung bei sich. Vor drei Jahren war es Deubel, jetzt ist es die EU. Am Schwielowsee wurde Beck als SPD-Vorsitzender von den eigenen Parteifreunden demontiert. Am Nürburgring hat er es selbst gemacht.

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