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Nürburgring-Affäre : Spannend wie ein Kriminalroman, nur teurer

  • -Aktualisiert am

Ministerpräsident Kurt Beck bei der Buchvorstellung mit Kriminalautor Jacques Berndorf Bild: dpa

Kurt Beck hält die Affäre um die „Erlebniswelt“ am Nürburgring für aufgearbeitet. Ein Gutachten des Landesrechnungshofs dazu enthalte nichts Neues oder Spannendes, sagt er. Dieser Satz könnte die Untertreibung des Jahres sein.

          Noch vor der endgültigen Aufklärung durch Untersuchungsausschuss und Justiz ist die Nürburgring-Finanzaffäre als spannender Krimistoff verarbeitet. Kurioserweise auch zur Freude Kurt Becks, der aus Sicht der Opposition von CDU und FDP die politische Hauptverantwortung für den Skandal trägt. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident stellte vor wenigen Tagen in der Mainzer Staatskanzlei zusammen mit dem Autor der „Eifel“-Krimis, Jacques Berndorf, dessen neuestes Werk „Die Nürburg-Papiere“ vor.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Dem dort unter einem anderen Namen beschriebenen sozialdemokratischen Landesvater wird in dem Krimi vorausgesagt, dass der Skandal ihm beim Wahlvolk kaum schaden werde. Neben einer kleinen Laudatio für Berndorfs literarische Affärenverwertung rezensierte Beck vorab auch gleich das bis dahin unveröffentlichte Rechnungshof-Gutachten zur gescheiterten Finanzierung des Freizeitparks „Nürburgring 2009“. Da er den Vorentwurf gelesen habe, wisse er, dass da „nichts Spannendes, Neues“ drinstehe. Die Affäre, die den damaligen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) im Juli 2009 das Amt kostete, sei „im Wesentlichen aufgearbeitet“.

          Vernichtendes Urteil über das Verhalten der Landesregierung

          Mit seiner Einschätzung zum Gutachten des Landesrechnungshofs dürfte Krimi-Fan Beck die Untertreibung des Jahres gelungen sein. Denn in dem mehr als 100 Seiten starken Gutachten, das sich auf viele Dokumente stützt, kommen die Rechnungsprüfer zu einem vernichtenden Urteil über das Verhalten der Landesregierung und der von ihr kontrollierten Nürburgring GmbH. Schon im Planungsstadium für die von Beck seit langem forcierte „Erlebniswelt“ an der mit Steuergeldern finanzierten legendären, aber unprofitablen Formel-1-Rennstrecke in der Eifel sei deutlich geworden, dass weder Banken noch Investoren bereit waren, Geld in das Projekt zu stecken.

          Wirtschaftsminister Hendrik Hering vor seiner Aussage im Nürburgring-Untersuchungsausschuss

          Hauptgründe laut Rechnungshof waren die „eingeschränkte Verwertbarkeit der Immobilien, die als Sicherheit dienen sollten“ und die angespannte „Eigenkapitalausstattung“ der landeseigenen Gesellschaft. Ohne eine weitgehende Bürgschaft des Landes und eine „Verzinsung deutlich über dem Kapitalmarktzins“ sei kein potentieller Investor zu gewinnen gewesen. Am Aufsichtsrat vorbei habe die Nürburgring GmbH mit ihrem damaligen Geschäftsführer Walter Kafitz mit dem Bau des inzwischen 330 Millionen Euro teuren Projekts begonnen, „obwohl eine Finanzierung ohne Beteiligung des Landes nicht gesichert war“.

          Wenig schmeichelhaft mit Blick auf die Urteilsfähigkeit von Kafitz, Deubel und anderen Mitgliedern des Aufsichtsrates wie dem damaligen Wirtschaftsstaatssekretär und heutigen Finanzminister Carsten Kühl (SPD) fallen die Passagen über die dann schließlich ausgewählten privaten Geschäftspartner aus. Im Oktober 2004 kamen die Geschäftsleute Michael Merten und Normann Böhm auf einer Immobilienmesse in München erstmals auf die Vertreter der Nürburgring GmbH zu, die dort Investoren für das gigantische Bauprojekt finden wollten.

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