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Nürburgring-Affäre : Hinter Königsschloss und Riegel

  • -Aktualisiert am

Da brachten Merten und Böhm den Schweizer Geschäftsmann Urs Barandun ins Spiel. Wie sie hatte auch er: kein Geld. Er wollte aber welches besorgen. Allein, das klappte nicht. Um abstruseste Erklärungen dafür war Barandun nie verlegen – bis er schließlich den angeblichen amerikanischen Milliardär Pierre S. Dupont und dessen angebliche Firma Miracle Asset Management auftat, laut Kurt Beck „ganz großer Milliardärsadel“. Nach ein paar Wochen stellte Barandun Ende Juni 2009 tatsächlich einen Scheck über 67 Millionen Euro auf ein Konto von Miracle aus. Noch in der Nacht kam es zu einer Vereinbarung zwischen der Nürburgring GmbH sowie den Vermittlern Merten und Böhm, wonach ihnen für ihre Dienste innerhalb von 48 Stunden nach Übergabe des Schecks vier Millionen Euro zu überweisen waren – unabhängig davon, ob die 67 Millionen schon auf dem Konto der Nürburgring GmbH eingegangen sind. Der Scheck war nicht gedeckt. Und nur einer zufälligen Verzögerung in der Sparkasse war es zu verdanken, dass die vier Millionen nicht überwiesen wurden. Eine Woche später trat Deubel zurück.

Wird er für seinen Fleiß und seine Entscheidungsfreude bestraft?

Die Staatsanwaltschaft hat vier Jahre Haft für ihn gefordert, für die Mitangeklagten wie den ehemaligen Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz hält sie Bewährungsstrafen für angemessen. Deubel, so die Staatsanwälte, habe sich in sieben Fällen der schweren Untreue schuldig gemacht. Er soll als „faktischer Geschäftsführer“ mehrere hunderttausend Euro mit ungerechtfertigten Provisionen veruntreut haben. Den Landtag sowie die Öffentlichkeit habe er dabei in Sicherheit gewiegt, etwa indem er vorgegeben habe, dass das Unternehmen von Kai Richter den bankenüblichen Prüfungen unterzogen worden sei. Gleichzeitig habe er darauf hingewirkt, dass genau das nicht passierte. Deubels Motiv nach Ansicht der Staatsanwaltschaft: sein Lebenswerk retten und seinen Rücktritt hinauszögern.

Die Verteidigung, die auf Freispruch in allen Anklagepunkten plädierte, wies dagegen darauf hin, dass Deubel „uneigennützig“ gehandelt und bis zum Schluss Grund gehabt habe, „felsenfest“ an das Zustandekommen einer Privatfinanzierung zu glauben. Dafür spricht zum Beispiel, dass auch die Staatsanwaltschaft Koblenz 2009 keinen Grund sah, gegen Barandun vorzugehen, ihn also offenbar selbst nicht für so windig hielt, wie sie ihn zuletzt dargestellt hat. Die Verteidigung versuchte außerdem, das Bild vom „faktischen Geschäftsführer“ zu erschüttern. Tatsächlich hatte sich die Staatsanwaltschaft in ihrer Darstellung hauptsächlich auf die Aussagen des mitangeklagten früheren Controllers am Ring berufen, dessen Glaubwürdigkeit im Prozess litt. Wo Deubel sich eingemischt habe, so sein Verteidiger, sei das seine Pflicht als Finanzminister, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung gewesen. Es wäre ein strafrechtliches „Novum“, ihn ausgerechnet für seinen Fleiß und seine Entscheidungsfreude zu bestrafen. Im Übrigen: „Wie sehr die betriebswirtschaftliche Kurzzeitbetrachtung von einer volkswirtschaftlichen Langzeitbetrachtung abweichen kann, sieht man sehr schön an den bayerischen Königsschlössern.“

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