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Zehn Jahre NSU-Aufarbeitung : Ein Bild des Grauens

Eine Gedenkstelle für den am 27. Juni 2001 ermordeten Kaufmann Süleyman Tasköprü vor seinem ehemaligen Obst- und Gemüseladen in Hamburg. Bild: dpa

Neun ermordete Migranten, eine erschossene Polizistin, 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge, 15 Raubüberfälle: Das ist die Bilanz des rechtsextremen NSU. Vor zehn Jahren flog die Terrorgruppe auf. Bis heute sind nicht alle Hintergründe geklärt.

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          „Wie in Klein-Chicago fühlen sich die Bewohner im Neubaugebiet ‚Wartburgblick‘ im Eisenacher Ortsteil Stregda.“ So beginnt der Artikel in der Thüringer Allgemeinen, der die Ereignisse vom 4. November 2011 in Eisenach beschreibt. Ein weißer Wohnwagen parkte an der Straße, ein paar Meter entfernt hockten Polizisten hinter einer Betonmauer, die Waffen gezückt. Plötzlich knallte es im Inneren des Wohnmobils, Qualm drang nach außen, dann eine Stichflamme. Als die Flammen gelöscht waren, fanden die Ermittler im Auto die Leichen zweier Männer, die sich selbst durch Schüsse in den Kopf getötet hatten, außerdem größere Summen Geld und ein ganzes Arsenal von Waffen. Kurz zuvor hatten zwei maskierte Männer eine Sparkassenfiliale im Eisenacher Plattenbaugebiet „Kuhgehänge“ überfallen und waren mit der Beute auf Fahrrädern geflüchtet. Ein Mann hatte sie beobachtet.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Am Nachmittag desselben Freitags vor zehn Jahren explodierte im Ortsteil Weißenborn bei Zwickau eine Wohnhaushälfte, in der zwei Männer und eine Frau gewohnt hatten, und brannte aus. Kurz darauf stellt sich heraus, dass es sich bei einer der Waffen im Wohnmobil um die geraubte Dienstpistole der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter handelt, die vier Jahre zuvor erschossen worden war. Die baden-württembergische Polizei hatte jahrelang in die falsche Richtung ermittelt. Wie hängt das alles miteinander zusammen? Nach und nach setzen die Ermittler die Puzzleteile zusammen, erkennbar wird ein Bild des Grauens: Die rechtsextremistische Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) konnte unbehelligt eine rassistisch motivierte Mordserie begehen.

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