https://www.faz.net/-gpf-72rk4

NSU-Rechtsterrorismus : MAD wollte späteren Terroristen Mundlos als Informanten werben

  • Aktualisiert am

Uwe Mundlos (rechts) mit anderen Neonazis (darunter in der grauen Jacke das NSU-Mitglied Uwe Boehnhardt) im Herbst 1996 in Erfurt Bild: dapd

Der Geheimdienst der Bundeswehr MAD soll 1995 versucht haben, den späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos als Informanten anzuwerben. Dem Untersuchungsausschuss des Bundestages wurden von deutschen Inlandsgeheimdiensten derweil offenbar Unterlagen vorenthalten.

          1 Min.

          Die deutschen Inlandsgeheimdienste haben dem Untersuchungsausschuss des Bundestages offenbar Akten über die rechtsextremistische Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) vorenthalten. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele an die Bundesregierung hervor, laut welcher der spätere NSU-Terrorist Uwe Mundlos schon während seiner Wehrdienstzeit in den Jahren 1994 und 1995 wegen „rechtsextremistischen Verhaltens“ durch den Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr (MAD) beobachtet wurde.

          Der Vorsitzende des Ausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sprach von einem „Eklat“. Es sei „unentschuldbar, uns einschlägige Unterlagen vorzuenthalten“. Der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger sagte, das erschüttere das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden.

          Nach Bekanntwerden des Vorgangs am Dienstagmorgen änderte der Ausschuss seine Tagesordnung und zitierte den Präsidenten des MAD, Ulrich Birkenheier, für den Nachmittag vor das Gremium. Er wies die Vorwürfe nach seiner Befragung in geheimer Sitzung zurück: „Das MAD-Amt bemüht sich immer, die Akten umfassend und so schnell wie möglich dem Untersuchungsausschuss zukommen zu lassen“, sagte er.

          Uwe Mundlos auf einem Fahndungsfoto des BKA aus dem Jahr 2009

          Mundlos soll laut den Dokumenten im März 1995 vom MAD gefragt worden sein, ob er sich vorstellen könne, Informationen aus der rechtsextremen Szene an Geheimdienste weiterzugeben. Mundlos verneinte das. Birkenheier wollte das ausdrücklich nicht als Versuch verstanden wissen, den späteren Terroristen als bezahlten V-Mann anzuwerben. „Der MAD hat zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, Herrn Mundlos als Quelle anzuwerben“, sagte er. Es habe lediglich festgestellt werden sollen, inwieweit sich der damalige Bundeswehrsoldat von der rechtsextremen Szene gelöst habe.

          Zuvor war der frühere Verfassungsschützer Andreas T. befragt worden, der am selben Tag in dem Kasseler Internetcafé saß, an dem dort Halit Yozgat von NSU-Terroristen ermordet wurde. In Erfurt gestand Thüringens früherer Innenminister Richard Dewes (SPD) Fehler bei Einschätzung und Verfolgung der Rechtsextremisten ein.

          Weitere Themen

          Freispruch für Menschenrechtler Peter Steudtner

          Prozess in Istanbul : Freispruch für Menschenrechtler Peter Steudtner

          Amnesty International hatte den Prozess als politisch motiviert bewertet: Nun wurde der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner in der Türkei von Terrorvorwürfen freigesprochen. Der Fall hatte die türkisch-deutschen Beziehungen stark belastet.

          Topmeldungen

          FC Bayern im DFB-Pokalfinale : Die große Anspannung des Manuel Neuer

          In diesem Jahr ist alles anders vor dem Finale des DFB-Pokals für den FC Bayern und Gegner Leverkusen. Torhüter Manuel Neuer erwartet eine „Lebenserfahrung“. Ein Nationalspieler steht derweil vor seinem Comeback bei den Münchnern.

          Macrons neuer Premierminister : Wer ist Jean Castex?

          Für Staatspräsident Macron läuft mit dem Rücktritt von Premierminister Édouard Philippe alles nach Plan. Der Weg für einen Politikwechsel ist frei. Einen Nachfolger hat er auch schon ernannt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.