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NSU-Prozess : Ein gutes Verhältnis zu Pistolen und Messern

Die Rolle Beate Zschäpes im NSU wurde auch vom Bruder des toten Uwe Böhnhardt nicht weiter erklärt Bild: dpa

Der Bruder von Uwe Böhnhardt sagt, dieser habe auf ihn keinen bösen Eindruck gemacht. Auch über Politik habe er mit ihm nicht gesprochen.

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          Ein bisschen rechtsradikal sei der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt gewesen, sagt sein ältester Bruder auf die Frage, welche Ansichten sein Bruder vertreten habe. Es habe ihm halt vieles nicht gefallen in Deutschland, auch „das mit den Ausländern“. Doch wie genau sich Uwe dazu geäußert habe, daran könne er sich nicht mehr erinnern. „Auf mich hat er keinen bösen Eindruck gemacht.“

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Bruder, 44 Jahre alt, Kraftfahrer, der am Mittwoch im Münchener NSU-Prozess ausgesagt hat, ist der älteste und der einzige der drei Böhnhardt-Söhne, der noch am Leben ist. Ein Sohn kam 1986 offenbar durch einen Unfall ums Leben, der jüngste Sohn Uwe starb am 4. November 2011. Am Mittwoch schilderte der Zeuge das Leben seines Bruders so, wie es klischeehafter für ein Abdriften in die rechte Szene nicht sein könnte. Dabei hält er sich an den Tenor, den zuvor schon seine Mutter als Zeugin vorgegeben hatte: Er schildert Uwe als Jugendlichen, der irregeleitet und perspektivlos irgendwann vom rechten Weg abgekommen ist.

          Uwe habe, sagt sein Bruder, immer lang geschlafen und dann mit Freunden in der Stadt herumgelungert. „Mit 17 kam er das erste Mal mit Glatze.“ Er sei arbeitslos gewesen, doch der Ärger sei schon zu Schulzeiten losgegangen. Seine Freundin, die Angeklagte Beate Zschäpe, und Uwe seien oft bei ihm zu Hause gewesen, hätten Kaffee getrunken und mit seiner kleinen Tochter gespielt. Zschäpe habe nie die typische Kleidung der rechtsextremen Szene getragen, dem Bruder Uwe habe er die Stiefel in seiner Wohnung verboten. „Sie waren beide in der Szene.“ Aber wie tief Uwe „da drinne gesteckt hat, das wusste ich nicht“. Angeblich habe er mit ihnen auch selten über Politik gesprochen. Er, der Bruder, sei nie in der rechtsextremen Szene gewesen. Später wird der Vorsitzende Richter ihm vorhalten, dass er vor der Polizei allerdings angegeben hatte, mit Uwe sehr wohl über die Puppe mit Judenstern gesprochen zu haben, die „unbekannte Täter“ 1996 in Jena an einer Autobahnbrücke aufgehängt hatten. Aber Uwe habe gesagt, er habe damit nichts zu tun. Wie denn Zschäpe auf ihn gewirkt habe, fragt der Richter. „Sehr freundlich.“ Er habe sie beide nur als Mitläufer gesehen.

          Nur unter Pseudonym bekannt

          Zschäpe zu entlasten hatte zuvor schon ihr Verteidiger Wolfgang Stahl versucht. Ein Kriminalbeamter hatte geschildert, der Zeuge Matthias D. habe ihm 2011 berichtet, von 2003 bis 2011 Wohnungen in Zwickau angemietet und an das Trio – Böhnhardt, Zschäpe und Uwe Mundlos – untervermietet zu haben. Allerdings will D. die drei nur unter anderen Namen gekannt haben. Von Mundlos, der sich bei ihm als Max-Florian B. vorstellte, hat der Zeuge D. demzufolge über acht Jahre lang das Geld für die Wohnungen überwiesen bekommen. Alles, was Abrechnungen und Mietverträge anbelangte, habe D. mit Mundlos besprochen. Angesichts dieser Aussagen, sagte Stahl, sei es doch haltlos, Zschäpe als Finanzverwalterin der Gruppe zu bezeichnen. „Das ist ein bemerkenswerter Vorgang, und kaum vorstellbar, wie man das machen kann.“

          Ob Zschäpe „die Hosen angehabt hat“ in der Beziehung zu seinem Bruder, das könne er heute nicht mehr sagen, sagt Böhnhardts Bruder. Sie seien „ganz normal miteinander umgesprungen“. Wie denn das Verhältnis seines Bruder zu Waffen gewesen sei? Er habe ein „gutes Verhältnis“ zu Waffen gehabt, habe ein Luftgewehr, eine Luftdruckpistole, ein paar kleine Messer, eine Armbrust besessen.

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