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NSU-Prozess : Zschäpe spricht nicht mit ihren Anwälten

Beate Zschäpe betritt am 09.06. den Gerichtssaal in München. Bild: dpa

Kein Wort hat Beate Zschäpe heute mit ihren Anwälten gesprochen. Die Verteidiger gehen ihrer Arbeit nach. Dabei hatte die Angeklagte im NSU-Prozess der Anwältin aus dem Team das Vertrauen entzogen.

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          Die Pfefferminzbonbons ihres Verteidigers Wolfgang Heer lässt Beate Zschäpe am Dienstag ebenso links liegen wie ihre drei Anwälte. Kein Blick und keine Begrüßung, als sie den Saal betritt, schon gar kein Handschlag für die Verteidiger. Mit zusammengekniffenen Mund, die Haare, die sonst so sorgfältig frisiert sind, zu einem losen Zopf geflochten, steht sie regungslos an ihrem Platz, während ihre Anwälte vor ihren Laptops Dienst nach Vorschrift signalisieren: Anja Sturm schreibt, Wolfgang Heer scrollt, Wolfgang Stahl krempelt seine Ärmel um, als habe er an diesem Tag noch einiges vor. Den Platz hat er wohlweislich mit Anja Sturm getauscht, sie sitzt jetzt ganz außen, nicht mehr neben ihrer Mandantin, denn Zschäpe nimmt nun zwischen Heer und Stahl Platz.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das war mal anders, aber da hatte Beate Zschäpe ihrer Anwältin auch noch nicht das Vertrauen entzogen. Am vergangen Mittwoch wurde Zschäpes Antrag vom 5. Juni bekannt, dass sie ihre Verteidigerin Anja Sturm dafür kritisiert, nicht nur schlecht vorbereitet zu den Terminen zu erscheinen, sondern angeblich auch Interna in die Verhandlung eingebracht und Informationen nicht an Heer und Stahl weitergeleitet zu haben.

          Stimme alles nicht, konterten daraufhin ihre Anwälte in schriftlichen Stellungnahmen an das Gericht. Sturm sagte, sie habe nie interne Informationen öffentlich gemacht und leite immer alles an ihre Kollegen Heer und Stahl weiter. Ihre beiden Kollegen wiederum teilten dem Gericht mit, dass Zschäpe ihnen gegenüber nie etwas darüber gesagt habe, dass Sturm angeblich interne Informationen eingebracht habe. Auch habe ihre Mandantin ihnen gegenüber nicht moniert, dass Anja Sturm Informationen an die beiden anderen Anwälte nicht weitergeleitet habe - was diese sowieso jederzeit tue. Und mit einem weiteren Satz stellte sich Stahl vor Anja Sturm: „Die Behauptungen von Frau Zschäpe sind für mich nicht nachvollziehbar.“ Bis Mittwoch hat Beate Zschäpe nun Zeit, auf diese schriftlichen Stellungnahmen zu antworten. Beraten wird sie dabei von einem Anwalt.

          Die Fronten sind nun geklärt, denn sollte Beate Zschäpe versucht haben, mit ihrem Angriff auf Anja Sturm Zwietracht zwischen den Dreien zu säen und die Reihen aufzubrechen, war davon am Dienstag nichts zu spüren. Im Gegenteil. Geeint sind die drei in ihrer Zurückhaltung, was kritische Zeugenbefragung anbelangt.

          Rechtsanwalt Olaf Klemke, der Verteidiger von Ralf Wohlleben müht sich, den Umfeldzeugen aus Chemnitz zu seinem Treffen mit Mundlos und Zschäpe im Jahr 2000 auf einem Skinhead-Konzert zu befragen. Zuvor hat der 40 Jahre alte Dachdecker ausgesagt, dass Mundlos auf dem Konzert Juden als Abschaum der Welt bezeichnet habe, der beseitigt gehöre. Auch habe er dafür plädiert, solche Konzerte dafür zu nutzen, dass sich die Szene politisch organisiere. Im Jahr 2011, als der NSU aufflog, so der Zeuge, habe er Mundlos dann im Fernsehen wiedererkannt. Minutenlang versucht Klemke, den Zeugen dahin zu bringen, dass er vielleicht gar nicht Mundlos auf dem Konzert getroffen habe, sondern es auch jemand anderes hätte sein können. Es seien ja im Fernsehen nur Passbilder gezeigt worden. Das glückt nicht ganz, war aber immerhin ein Versuch. Während Zschäpe Löcher in den Tisch starrt, hören sich Stahl, Sturm und Heer die Zeugenbefragung nur interessiert an. Sturm schreibt, Heer scrollt und Stahl schaut zu den ihnen gegenübersitzenden Vertretern der Bundesanwaltschaft als würde er sagen wollen: „Wie gerne würde ich mit Euch tauschen!“

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