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Absender „NSU 2.0“ : Wie gefährlich sind die rechten Drohmails?

  • -Aktualisiert am

„NSU 2.0“: Viele der bundesweit verschickten Drohschreiben deuten auf einen rechtsextremistischen Hintergrund hin (Symbolbild). Bild: dpa

Über 100 Drohmails mit rechtem Gedankengut alarmieren die Behörden. Zwei Empfänger schildern den Inhalt der Mails – und ziehen Parallelen zum Fall der Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız.

          Zahlreiche Politiker, Anwälte und andere Personen des öffentlichen Lebens haben in den letzten Wochen Drohmails mit rechtsterroristischem Inhalt erhalten. Das berichteten die Süddeutsche Zeitung und der NDR am Mittwoch. Die Absender, die sich als „Nationalsozialistische Offensive", „Wehrmacht" oder „NSU 2.0“ bezeichneten, hatten in ihren Schreiben Briefbomben und öffentliche Hinrichtungen angedroht. Nun ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Volksverhetzung, auch öffentliche Gebäude in mehreren deutschen Städten wurden untersucht. Bisher ergebnislos. Wer hinter den Schreiben steckt und wie realistisch die Drohungen sind, ist bislang unklar.

          Einer der Empfänger der Mails ist die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Die Linke). Sie führt die Drohschreiben auf einen gesellschaftlichen Rechtsruck zurück – und nimmt die Bedrohungen durchaus ernst. Obwohl man bereits in der Vergangenheit habe sehen können, „dass Rechtsterrorismus eine tödliche Gefahr darstellt“, werde dieser noch immer systematisch unterschätzt. Renner fordert daher die Behörden auf, in diesem wie in ähnlichen Fällen entschlossen durchzugreifen.

          Unmittelbar bedroht fühlt sich die Parlamentarierin dennoch nicht: „Als Abgeordnete genieße ich öffentliche Aufmerksamkeit und Schutz, den die allermeisten Menschen, die von Neonazis bedroht werden, nicht haben.“

          Tanjev Schultz hat als Journalist den Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) intensiv begleitet und mehrere Bücher darüber veröffentlicht. Auch er war Adressat eines Drohschreibens, das mit „Wehrmacht“ unterzeichnet war. Überrascht, dass es neben ihm wohl über 100 weitere Empfänger geben soll, ist er nicht. In seinem Fall handelte es sich um „Sammelmails, die einen größeren Personenkreis erreicht haben müssen“, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET. Kettenbriefartig seien mehrere Mails aneinandergereiht und an verschiedene Personen und Unternehmen verschickt worden. Der Inhalt: wirr und gleichzeitig alarmierend. In Auszügen, die FAZ.NET vorliegen, wurde unter anderem zum Mord an Beamten und Politikern aufgerufen. Auch Erpressermails an Unternehmen waren darunter. Unterschrieben mit „Wehrmacht“, „NSU 2.0“ und „RAF“, enthielten die Mails auch antisemitische Äußerungen und konkrete Aufforderungen zum Waffenkauf.

          Besorgt war Schultz zunächst nicht, als er im November des vergangenen Jahres den Drohbrief erhielt. „Die Art der Formulierung und die seltsame Zusammenstellung der Forderungen wirkten wenig glaubwürdig“, sagt Schultz. Beunruhigend sei hingegen die Tatsache, dass offenbar im größeren Umfang Mailadressen recherchiert worden seien.

          Parallelen zum Fall der Frankfurter Anwältin

          Dass „NSU 2.0“ sich tatsächlich auf den Nationalsozialistischen Untergrund bezieht, schließt Schultz nicht aus: „Wir wissen, dass der NSU in Nazikreisen eine starke Idealisierung erfährt.“ Dazu kommt, dass auch in den massiven Bedrohungen gegenüber der Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız von „NSU 2.0“ die Rede war.

          Zufall? Das sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen, meint Schultz. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft teilte mit, man sehe derzeit keinen Zusammenhang.

          Bereits im August 2018 hatte die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yıldız, die im Prozess gegen den NSU eine Familie als Nebenklägerin vertrat, eine erste Morddrohung mit der Unterschrift „NSU 2.0“ erhalten. Seitdem wurden immer wieder verunglimpfende und drohende Faxe an Basay-Yıldız geschickt. Da die Nachrichten Informationen enthielten, die auf Polizeikreise als Urheber hindeuteten, wird gegen Mitglieder der hessischen Polizei ermittelt. Auch der Innenausschuss des hessischen Landtags hat sich mit den Vorwürfen beschäftigt.

          Die Terrorgemeinschaft NSU hat zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet. In einem noch nicht rechtskräftigen Urteil wurde Beate Zschäpe als Mittäterin verurteilt. Der Prozess um den NSU war im Juli 2018 zu Ende gegangen.

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