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„NSU 2.0“ : Basay-Yildiz glaubt nicht an Einzeltäter-Theorie

Seda Basay-Yildiz im Juli 2018 in ihrem Büro in Frankfurt Bild: dpa

Gegen den Hauptverdächtigen im Fall „NSU 2.0“, einen Mann aus Berlin, wird nun Anklage erhoben. Das hessische Innenministerium sieht die Polizei endgültig entlastet – doch es gibt Widerspruch.

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          Am Ende waren es eine Schach-Plattform und sprachwissenschaftliche Gutachten, die Alexander M. aus Sicht der Ermittler überführt haben. M., ein arbeitsloser Berliner, der schon in der Vergangenheit dadurch aufgefallen war, weil er einen Würzburger Anwalt bedrohte, der einen Flüchtling vertrat. Ein durchaus „eloquentes Auftreten“ soll er haben. Es falle ihm leicht, so heißt es aus dem Kreis der Ermittler, andere zu täuschen. Zum Beispiel vorzugeben, er sei Bediensteter von offiziellen Behörden. Das soll auch in diesem Fall seine Masche gewesen sein.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Unter einer Legende rief er nach Auffassung der Ermittler in Polizeidienststellen und wohl auch in anderen Behörden an und holte Auskünfte über seine Opfer ein. Dazu gehörten die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die Linken-Politikerin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar. Dann schrieb er ihnen Drohbriefe, unterzeichnet mit NSU 2.0. Die Sprache war derb. Beleidigungen wie „Türkensau“, „Scheißtürken“, „Volksschädling“, Kümmelhändler“, „hirntoter Scheißdöner“ und „Abfallprodukte“ standen in den Schreiben. Gedroht wurde unter anderem mit „Verpiss dich lieber, solange du hier noch lebend rauskommst“ oder damit, dass Familienangehörige „mit barbarischer sadistischer Härte abgeschlachtet“ würden. Unterschrieben waren die Schreiben mit „Heil Hitler“ oder „SS-Obersturmbannführer“.

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