https://www.faz.net/-gpf-7kha9

NSA-Skandal : Washingtons Drehscheibe in Deutschland

Das weitläufige Konsulargelände in Frankfurt-Eckenheim ist die wichtigste logistische Drehscheibe für die diplomatische Präsenz Washingtons in Europa Bild: dpa

In Frankfurt betreibt Amerika sein weltweit größtes Konsulat, in Wiesbaden bezieht es gerade das neue Europa-Hauptquartier der Army. Für alle Militär- und Geheimdienst-Operationen der Supermacht ist das Rhein-Main-Gebiet von zentraler Bedeutung.

          6 Min.

          Die Kranzniederlegung muss Kevin Milas wie eine Erholung vorgekommen sein. Zusammen mit dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und dem Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (beide CDU) gedachte der amerikanische Generalkonsul Ende November in der Paulskirche der Ermordung John F. Kennedys. Für einige Augenblicke war es wie bei deutsch-amerikanischen Terminen in der Vor-Snowden-Ära: Der ausgewiesene Amerika-Freund Becker sprach von Kennedy als großem Freund, den Deutschland damals verloren habe, Bouffier hob die tiefe deutsch-amerikanische Freundschaft hervor, ein Schülerchor intonierte „Amazing Grace“ und „Moon River“. Kein Wort vom Ausspähskandal. Bis Milas das alles überschattende Thema dieser Tage selbst zur Sprache brachte. Freundschaften, sagte der Diplomat, würden daran gemessen, wie die Freunde schwierige Situationen meisterten.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Generalkonsul selbst meistert die schwierige Situation, in die ihn die Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden gebracht haben, inzwischen mit einer gewissen Routine. Seit Wochen gibt es für den Diplomaten kein offizielles Treffen, keinen öffentlichen Auftritt, kein Gespräch im kleinen Kreis, bei dem die NSA-Affäre nicht eine zentrale Rolle spielt. Immer wieder muss der Einundsechzigjährige gute Miene zum bösen Spiel machen und die Position der amerikanischen Regierung erklären und verteidigen.

          Luftaufnahmen vom Verfassungsschutz

          Allerdings teilt Milas dieses Schicksal mit vielen seiner Kollegen. Denn Washington bietet gerade alle diplomatischen Kräfte auf, um den massiven Vertrauens- und Imageverlust, den die NSA-Affäre den Vereinigten Staaten hierzulande eingebrockt hat, wettzumachen oder zumindest einzugrenzen. Wie Milas spricht auch der neue amerikanische Botschafter in Berlin, John Emerson, momentan bei jeder Gelegenheit von „partnership“ und „friendship“.

          Doch der Frankfurter Generalkonsul hat es besonders schwer. Denn die Vertretung, die er seit Juli vergangenen Jahres leitet, sieht sich seit Monaten heftigen Vorwürfen und Mutmaßungen ausgesetzt. Die haben unter anderen den hessischen Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) im August dazu veranlasst, Milas fünf Fragen zu möglichen Abhöraktivitäten der NSA in Frankfurt zu übergeben und ihn zu einem Gespräch zu bitten. Der Verfassungsschutz ließ das Konsulatsgelände von einem Hubschrauber überfliegen und fotografieren. Der Generalkonsul versichert ein ums andere Mal, er werde die Sache mit seinen Vorgesetzten in Berlin und Washington besprechen. Mehr kann er nicht tun.

          Vieles von dem, was in diesem Zusammenhang über das Generalkonsulat mit seinen fast tausend Mitarbeitern geschrieben und veröffentlicht wurde, ist längst bekannt gewesen oder reine Spekulation. Unter Rechtfertigungszwang setzen die Mutmaßungen Milas und seine führenden Mitarbeiter trotzdem. Fakt ist, dass das Konsulat mit Abstand die wichtigste amerikanische Einrichtung dieser Art und eine der fünf größten Auslandsvertretungen Washingtons auf der Welt ist. Auf dem mehr als neun Hektar großen Areal im Stadtteil Eckenheim stehen den Mitarbeitern etwa 30 000 Quadratmeter Büro- und Arbeitsfläche zur Verfügung. In dem mit vier Meter hohen Stahlzäunen, Kameras und Wachmannschaften gesicherten Komplex, der im ersten Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre noch als größtes Armee-Lazarett in Europa diente, haben Ableger von mehr als 20 amerikanischen Bundesbehörden und Regierungsstellen Platz.

          Weitere Themen

          So wird der amerikanische Präsident gewählt Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : So wird der amerikanische Präsident gewählt

          Das Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten wird nach Wahlmännerstimmen gekürt, welche die Kandidaten in den einzelnen Bundesstaaten erringen müssen. Wie viele Stimmen ein Staat im „Electoral College“ zu vergeben hat, hängt von seiner Bevölkerungsstärke ab.

          Topmeldungen

          Geht Trumps Plan mit Barrett auf?

          Supreme Court : Trumps Notfallplan ist ein Spiel mit dem Feuer

          Amy Coney Barrett sei eine Frau von „unnachgiebiger Loyalität gegenüber der Verfassung“, sagt Donald Trump. Das bedeutet nicht, dass sie ihm verpflichtet ist. Der Präsident spielt mit dem Feuer, wenn er glaubt, den Supreme Court notfalls für sich einspannen zu können.
          700 Kilometer ohne Nachladen: der P7 des chinesischen Start-ups Xpeng auf der Messe in Peking

          Deutsche Automarken : Abgehängt von Chinas Start-ups

          Auf der einzigen Automesse des Jahres in Peking zeigen deutsche Hersteller konventionelle Modelle. Den chinesischen E-Autos haben sie wenig entgegenzusetzen.
          SPD-Kandidat Thomas Westphal mit seiner Frau Janine

          OB-Stichwahl in Dortmund : Die SPD verteidigt ihre „Herzkammer“

          Grüne und CDU hatten in Dortmund ein Bündnis gegen die seit 74 Jahren regierenden Sozialdemokraten gebildet. Trotzdem kann sich SPD-Kandidat Thomas Westphal bei den Oberbürgermeisterstichwahlen mit klarem Abstand auf seinen Herausforderer Andreas Hollstein durchsetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.