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NS-Verbrecher im BND : Eine „zweite Entnazifizierung“

Hans-Henning Crome in seiner Heimat, in Pullach Bild: Jan Roeder, F.A.Z.

Im Sommer 1963 erhielt der BND-Mitarbeiter Hans-Henning Crome in Pullach vom Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes eine geheime Anweisung. Reinhard Gehlen trug ihm auf, gegen NS-Verbrecher in den eigenen Reihen zu ermitteln.

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          Hans-Henning Crome ist inzwischen bald achtzig Jahre alt und lebt als Pensionär in Pullach. Der Vater von drei Töchtern hat im Bundesnachrichtendienst (BND) Karriere gemacht, war als Resident des Dienstes in New York stationiert, in Bern und in Madrid. In der BND-Zentrale hat er eine Unterabteilung geleitet. Crome war dort unter anderem eine Zeitlang verantwortlich für die wichtigste Quelle, die der BND je hatte, den Spion „Victor“, einen sowjetischen KGB-Obersten. Eine aufregende Zeit. „Doch im Rückblick“, sagt der gebürtige Königsberger, „gab es nur eine Sache in vierzig Jahren Dienst, die mich bis in den Schlaf verfolgt hat, und das war die Arbeit für 85“.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Im Frühjahr 1961 wurde der junge Auswerter Crome, damals dreißig Jahre alt und seit einem knappen Jahr in Pullach stationiert, zum BND-Präsidenten gerufen. Er sollte, wie er zu seiner Überraschung erfuhr, sich einem kleinen Sonderstab anschließen, dem Präsident Gehlen auftrug, gegen Verräter in den eigenen Reihen zu ermitteln. Dabei handelte es sich unter anderem um Heinz Felfe, der als Doppelagent einerseits die Spionageabwehr des BND gegen die Sowjetunion geleitet, aber andererseits lange unentdeckt für die Russen spioniert hatte. Felfe und sein Komplize Johannes Clemens wurden enttarnt und verhaftet - ein bitterer Erfolg für den BND.

          Ein Prozess gerät zur Blamage

          Zur Blamage geriet der anschließende Prozess vor dem Bundesgerichtshof aber auch, weil öffentlich wurde, dass Felfe und seine Mitangeklagten bis 1945 im Terrorapparat des Dritten Reichs für das „Reichssicherheitshauptamt“ (RSHA) gearbeitet hatten. Clemens war unter den Spitznamen „Tiger von Como“ in Italien berüchtigt, zu einer Zeit, als Regimegegner dort vom Sicherheitsdienst der SS zerfleischt wurden. In der Öffentlichkeit wurde nun gefragt, wie viele weitere ehemalige Handlanger von Gestapo, SS und SD beim BND Unterschlupf gefunden hätten. Weniger als ein Prozent, log seinerzeit die Bundesregierung. In Wahrheit waren es zehnmal so viele.

          Reinhard Gehlen vor dem Untersuchungsausschuss 1974: Der erste BND-Präsident hatte nicht allzu großes Interesse an der „Entnazifizierung”

          Crome weiß bis heute nicht genau, was Reinhard Gehlen bewog, nach dem Felfe-Prozess 1963 ausgerechnet ihm aufzutragen, alle BND-Mitarbeiter, die aus dem Befehlsbereich des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, hervorgegangen waren, einer umfassenden dienstinternen Überprüfung zu unterziehen. Der gelernte Kaufmann konnte nämlich keinerlei militärische Erfahrung, kein Jurastudium, keine Historikerausbildung vorweisen. Aber er war jung, intelligent, fleißig, und er hatte sich im Fall Felfe gut angestellt. Gewiss spielte auch eine Rolle, dass Gehlen den Vater Cromes noch aus der Reichswehrzeit kannte. Crome senior war als Oberst im Generalstab bei Stalingrad in Kriegsgefangenschaft geraten und 1955 aus der Sowjetunion heimgekehrt. Inzwischen war er ebenfalls zum BND gestoßen, nach seinem Sohn. Persönliche Bekanntschaften, familiäre Verhältnisse, das war es, worauf der altmodische Gehlen sein Vertrauen im Nachrichtendienst gründete.

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