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Aufarbeitung von NS-Verbrechen : Dein Freund und Verbrecher

  • -Aktualisiert am

Der Direktor des LKA in NRW, Frank Hoever (l.), NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), Christoph Spieker und Martin Hölzl sitzen bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Gutachtens zur NS-Vergangenheit früherer LKA-Chefs Bild: dpa

Es hält sich hartnäckig die Behauptung, dass Kriminalpolizisten im „Dritten Reich“ unpolitisch agiert haben. Doch ein Gutachten zur NS-Vergangenheit der ersten LKA-Chefs in NRW wirft ein anderes Licht auf die Behörde.

          3 Min.

          Der Nationalsozialismus ist eines der am intensivsten erforschten Kapitel der deutschen Geschichte. Umso überraschender ist es, wie schwer sich noch immer manche Behörden mit einer wirklich systematischen Aufarbeitung ihrer (Vor-)Geschichte tun. Als das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen 1994 eine Monographie über die Jahrzehnte seit seiner Gründung im Oktober 1946 herausgab, fehlte darin eine Untersuchung, ob und wie stark die ersten Behördenleiter an Verbrechen des Unrechts- und Terrorregimes der Nationalsozialisten beteiligt gewesen waren. Nicht einmal diskutiert wurde diese Frage in der Studie – obwohl es nie ein Geheimnis war, dass die ersten sechs Chefs zwischen 1933 und 1945 an teilweise führenden Positionen bei Polizeibehörden tätig waren.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Behauptung, Kriminalpolizisten hätten im „Dritten Reich“ unpolitisch agiert und seien im Vergleich zur Gestapo deshalb vergleichsweise „sauber“ geblieben, ist längst als eine – vor allem von den NS-Belasteten gezielt gestreute – Legende entlarvt. In einer Vielzahl von Studien, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, ist der verbrecherische Charakter aller Polizeizweige im Nationalsozialismus nachgewiesen worden. „In den Fokus gerieten dabei namentlich die lange Zeit in der Forschung kaum als Tätergruppen der Terror- und Mordpolitik wahrgenommene Ordnungs- und Kriminalpolizei“, schreibt der Münsteraner Historiker Martin Hölzl in einem vor kurzem veröffentlichten Gutachten im Auftrag des Landeskriminalamts NRW.

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