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NS-Prozesse : Greise NS-Täter vor Gericht, das bringt nichts mehr?

Der 100 Jahre alte Josef S. am 7. Oktober im Gerichtssaal in Brandenburg an der Havel Bild: AFP

Und ob, findet Thomas Walther, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der SS-Scherge John Demjanjuk verurteilt wurde. Ein Interview.

          6 Min.

          Herr Walther, Sie vertreten als Anwalt zahlreiche Nebenkläger in den NS-Prozessen gegen Josef S. und Irmgard F. Manche finden es unnötig, solche Greise nach Jahrzehnten noch zur Rechenschaft zu ziehen. Was antworten Sie auf solche Kritik?

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass es dazu keine Alternative gibt. Beim Prozess gegen Josef S. vertrete ich zwei Nebenkläger, deren Väter von den Nazis ermordet wurden. Einer von ihnen ist Antoine Grumbach, 79, ein Jude aus Frankreich. Sein Vater war Widerstandskämpfer und landete im KZ Sachsenhausen. Als Grumbach jetzt im Prozess in Brandenburg sehr eindrücklich gesprochen hat, wirkte er äußerlich ruhig, aber innerlich war er zutiefst aufgewühlt. Da redete ein 79-jähriger Mann, aber aus seinem Körper sprachen die Angst und das Unverständnis eines kleinen Kindes, dessen geliebter Vater ausgelöscht wurde. Jahrzehntelang war diese Anspannung in ihm und es ist nichts passiert. Und jetzt hat er endlich die Möglichkeit bekommen zu reden. Deswegen müssen diese Prozesse noch stattfinden und sind nicht nur Symbolik.

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