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Armin Laschet : Fachmann für relative Siege

Mit Merkel-Raute: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Montag in Berlin Bild: dpa

Einen klaren Erfolg können eigentlich nur die Grünen in den Wahlergebnissen aus NRW sehen. Doch auch Armin Laschet meint, Rückenwind zu spüren für seine Kandidatur um den CDU-Vorsitz.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Im Dezember will Armin Laschet Vorsitzender der CDU und wenig später Kanzlerkandidat der Union werden. Schon am Sonntagabend nach dem ersten Durchgang der Kommunalwahlen nahm der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen deshalb auch den größeren Rahmen in den Blick. Das Ergebnis seiner Partei, der CDU, sei zwar in erster Linie von den vielen Amtsträgern und Kandidaten zwischen Rhein und Weser erkämpft worden und auch eine Belohnung für die örtlichen Corona-Krisenmanager.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zugleich deutete Laschet es aber selbstbewusst als eine Bestätigung seines persönlichen, zunächst auch von manchem Unions-Freund heftig kritisierten Corona-Kurses: „Diese Wahl ist auch eine Anerkennung, der Weg von Maß und Mitte bei der Pandemie-Bekämpfung war richtig, ist richtig und bleibt auch in Zukunft richtig in Nordrhein-Westfalen.“ Wenig später fügte er im Fernsehen an: „Das versteht jetzt möglicherweise jeder in der CDU.“

          Von der publizistischen Seitenlinie aus versuchten Laschets Konkurrenten im Ringen um den CDU-Vorsitz noch am Sonntagabend kräftig Wasser in den Wein zu gießen. Friedrich Merz warnte in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung davor, aus dem Ergebnis falsche Schlüsse zu ziehen. Trotz des Erfolgs dürfe die Partei ihre „Schwächen nicht übersehen“. Die CDU verliere vor allem in den Großstädten an die Grünen. „Die CDU braucht deshalb ein Konzept, wie sie mit dieser Herausforderung umgeht“, forderte Merz, dessen bisher letzter eigener Wahlsieg schont etliche Jahre zurückliegt.

          Deutungshoheit in der Großstadt-Frage

          Der Außenpolitiker Norbert Röttgen wiederum verwies im Kurznachrichtendienst Twitter auf die Defizite bei jungen Leuten und in Universitätsstädten. Die Wahl zeige, dass die Grünen der strategische Gegner der christlichen Demokraten seien.

          Röttgen hat selbst erlebt, wie gnadenlos rasch Macht erodieren kann. Als er sich 2010 im Ringen um den nordrhein-westfälischen CDU-Landesvorsitz gegen Laschet durchgesetzt hatte, galt er als Hoffnungsträger. Doch bei der Landtagswahl 2012 erlebte die Union mit dem Spitzenkandidaten Röttgen ein furchtbares Desaster. Auf kaum noch 26 Prozent schrumpfte CDU zusammen – ihr schlechtester Wert in der Landesgeschichte. Erst nach Röttgens krachender Niederlage konnte Laschet im zweiten Anlauf mit seinem Aufstieg beginnen.

          Kommunalwahlen in NRW : Die Gewinner und Verlierer im Überblick

          Nun reklamiert Laschet auch in der Großstadt-Frage die Deutungshoheit. Als er am Montagmorgen in Berlin zur Sitzung der Führungsgremien der Bundes-CDU eintrifft, betont er, seine Landespartei habe gezeigt, dass sie auch in Großstädten erfolgreich sein könne. Laschet verweist auf den ebenfalls in die Hauptstadt gereisten Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen, der im einstmals tiefroten Essen im ersten Durchgang im Amt bestätigt wurde. Essen ist derzeit die größte deutsche Kommune mit einem CDU-Politiker an der Spitze. Zudem ist die CDU im dortigen Rat nun stärkste Kraft.

          Große Hoffnungen verbindet Laschet auch mit Düsseldorf. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt konnte Stephan Keller am Sonntag Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD) in die Stichwahl zwingen – überraschend sogar als Erstplazierter. Düsseldorf wäre die erste Landeshauptstadt in einem großen deutschen Flächenland, die die Union zurückerobert. Käme es am 27. September so, könnte Laschet das auch als persönlichen Erfolg werten, schließlich hatte er Keller persönlich von der Kandidatur überzeugt.

          Hoffen auf die Stichwahlen

          Gut möglich, dass sich Laschet in knapp zwei Wochen mit weiteren guten Nachrichten schmücken kann – wenn etwa in Münster und Bonn seine Parteifreunde Markus Lewe und Ashok-Alexander Sridharan im zweiten Wahlgang im Amt bestätigt würden. Und sollte dann sogar in Dortmund, der „Herzkammer“ der Sozialdemokratie, mit Andreas Hollstein erstmals seit 74 Jahren ein CDU-Mann Oberbürgermeister werden, wüsste der geschichtsbewusste Laschet das ganz bestimmt als Beleg dafür einzuordnen, dass es der Union unter seiner Führung gelingt, ihr Großstadttrauma zu überwinden.

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