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NRW-Medienstaatssekretär : Eumann soll Doktortitel verlieren

  • -Aktualisiert am

Marc Jan Eumann steht im Verdacht, getäuscht zu haben Bild: dpa

2010 soll Marc Jan Eumann statt einer neu erarbeiteten Dissertationsschrift in wesentlichen Teilen eine alte Arbeit eingereicht haben. Die TU Dortmund will dem nordrhein-westfälischen Medienstaatssekretär nun den Doktortitel aberkennen.

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          Die TU Dortmund will dem nordrhein-westfälischen Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) den Doktortitel aberkennen. In einer Sondersitzung stellte das Rektorat am Donnerstag „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten des Herrn Dr. Eumann fest“, hieß es in einer am späten Freitagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung. Eumann ist auch Vorsitzender der SPD-Medienkommission.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Laut Pressemitteilung der TU Dortmund ist es nun Aufgabe des Rats der Fakultät Kulturwissenschaften, ein Aberkennungsverfahren einzuleiten, „da das Promotionsrecht – und folglich auch das Recht zur Aberkennung eines Doktorgrads – bei der Fakultät liegen“. Das Rektorat der Universität stützte sich bei seiner Entscheidung auf einen Bericht der hauseigenen „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ und das juristische Gutachten des Bonner Rechtslehrers Wolfgang Löwer, der auch Ombudsmann der Wissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist.

          Eumann steht im Verdacht, getäuscht zu haben: 2010 soll er an der TU Dortmund statt einer neu erarbeiteten Dissertationsschrift in wesentlichen Teilen eine medienhistorische Arbeit eingereicht haben, mit der er schon 1991 an der Universität zu Köln sein Magisterexamen erwarb.

          Die im Fall Eumann gültige Promotionsordnung schreibt vor, dass Doktoranden beim Einreichen ihrer Arbeit angeben müssen, ob der Text „ganz oder in anderer Fassung oder in Teilen einer Hochschule im Zusammenhang mit einer staatlichen oder akademischen Prüfung vorliegt oder vorgelegen hat“. Auf Anfrage hat sich Eumann bisher nicht dazu äußern wollen, ob er seine Magisterarbeit entsprechend angegeben hat.

          „Titel seiner Magisterarbeit nicht bekannt“

          Eumann ließ am Freitag schriftlich mitteilen, dass er um seinen Doktorgrad kämpfen will: „Ich habe weiterhin keinen Zweifel, dass meine Dissertation eine inhaltlich substanzielle Erweiterung meiner Magisterarbeit darstellt. Und ich habe nicht getäuscht.“ Der Titel seiner Magisterarbeit habe dem Doktorvater, dem Prüfungsausschuss und dem Dekanat vorgelegen. Eumanns Doktorvater, der mittlerweile emeritierte Journalistik-Professor Horst Pöttker, sagte auf Anfrage von FAZ.NET: „Mir war der Titel seiner Magisterarbeit nicht bekannt. Auch in dem für das Promotionsverfahren obligatorischen Lebenslauf hat Eumann den Titel nicht aufgenommen.“

          Schon Ende Juni hatte Pöttker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt: „Nach allen Informationen, die mir vorlagen, musste ich davon ausgehen, dass die Magisterarbeit von Herrn Eumann eine wesentlich andere Fragestellung und ein anderes Thema als seine Dissertation hatte.“

          An wenigen Stellen neue Archivquellen

          Auffällig ist jedenfalls, dass Eumann den Titel der Magisterarbeit in seiner Dissertation konsequent unerwähnt ließ: Weder im Vorwort, noch im Literaturverzeichnis findet sich ein Hinweis. Ein Vergleich der beiden Arbeiten, die FAZ.NET vorliegen, zeigt: Eumanns Doktorarbeit ist nicht viel mehr als eine ¬- gewissenhaft angefertigte - Neuauflage der Magisterarbeit.

          An wenigen Stellen hat er neue Archivquellen eingebaut. Auch hat Eumann die seit 1991 erschienene Literatur zum Thema fleißig eingearbeitet. Komplett neu sind lediglich wenige Seiten und das knapp 30 Seiten umfassende, siebte Kapitel. Einige Mühe hat Eumann darauf verwandt, vor allem kapitel- oder abschnittseinleitende Sätze umzuformulieren.

          „Das ist eine absurde Vorstellung“

          Der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Sternberg, sagte FAZ.NET, er könne sich nicht vorstellen, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ihren Medienstaatssekretär nun noch im Amt lasse. „Ein Medienstaatssekretär, der bei seiner medienhistorischen Promotion getäuscht hat – das ist eine absurde Vorstellung.“

          Die NRW-Staatskanzlei teilte mit, Eumann habe Ministerpräsidentin Kraft informiert, und wies darauf hin, dass Eumann in dem Verfahren Gelegenheit bekommt, Stellung zu nehmen. „Der Ausgang des Verfahrens bleibt daher abzuwarten“, so die Landesregierung.

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